Zwei Sportuhren an Handgelenken auf einer Parkbank, im Hintergrund fährt ein Radfahrer auf einem Weg.

Trainingsdaten: Coros, Wahoo und Garmins Datenmauer

Elias Kollböck - Redakteur InspiredBySports

AUTOR:

Elias Kollböck

7 Min. Lesezeit

Du schnallst die neue Uhr ums Handgelenk und willst raus. Erst beim Einrichten kommt die Frage, die beim Kauf fast niemand stellt: Was passiert mit sechs Jahren Training auf der alten Plattform? Jedes Intervall, jeder Berglauf, jede Schwelle steckt in einem Account, der den Abschied schwer macht. Im April hat sich in einem Londoner Studio genau daran etwas verschoben. Coros und Wahoo öffnen ihre Plattformen füreinander. Die Botschaft zielt auf den Hersteller, der gar nicht im Raum saß: Garmin.

Kurzer Sprint

  • Coros und Wahoo haben am 24. April ihre Schnittstellen geöffnet. Aktivitäten von beiden Geräten landen jetzt automatisch auf beiden Plattformen.
  • Der wahre Adressat ist Garmin. Der Marktführer hält Trainingsdaten im eigenen Ökosystem, der Weg nach draußen ist umständlich.
  • Deine wertvollsten Daten stecken im FIT-Format. Training Load, Body Battery, Power. GPX und TCX lassen genau das weg.
  • Die Garmin-App am Handy bietet keinen Datei-Export. Den Komplettexport gibt es nur über die Website, und der dauert ein bis zwei Tage.
  • Datenhoheit wird zum Kaufkriterium. Wer die Uhr wechselt, sollte vorher wissen, wie er wieder rauskommt – nicht erst danach.

 

Was Coros und Wahoo in London geöffnet haben

Coros und Wahoo haben ihre Partnerschaft am 24. April in den Protein Studios in London angekündigt, ein paar Tage vor dem London Marathon. Beide bauen für ambitionierte Ausdauersportler, aber ohne Garmins Marktmacht. Genau deshalb war der Schritt logisch: Wenn einer den Markt über seine Plattform bindet, müssen die anderen den Ausgang zeigen.

Der Kern ist eine Schnittstelle, die in beide Richtungen arbeitet. Was du auf einer Coros-Uhr aufzeichnest, landet automatisch in der Wahoo-App. Was du auf einem Wahoo-Gerät fährst, taucht in der Coros-Plattform auf. Strukturierte Trainingspläne und geplante Routen sollen folgen, die waren zum Start noch nicht dabei. Dazu koppelt eine Coros-Uhr jetzt direkt mit dem KICKR-RUN-Laufband über einen eigenen Bluetooth-Kanal und schickt Werte wie Bodenkontaktzeit und Schrittfrequenz schneller hinüber als über die Standardverbindung.

Praktisch heißt das: Du musst dich nicht mehr für ein Lager entscheiden. Eine Coros am Handgelenk und ein Wahoo-Trainer im Keller erzählen künftig dieselbe Trainingsgeschichte. Wahoo verkauft inzwischen sogar die Coros Pace 4 und Apex 4 im eigenen Shop. the5krunner las daraus schon am Launch-Tag die eigentliche Botschaft: noch keine Fusion, aber Garmin sollte aufpassen.

24-48 Std.
Wartezeit auf Garmins Komplett-Export deiner Historie
2 Wege
Coros und Wahoo syncen ab jetzt in beide Richtungen
.FIT
Das Format, in dem deine echten Trainingsdaten stecken

 

Warum Garmins Mauer im FIT-Format steht

Garmin baut gute Hardware. Strittig wird es erst, wenn du wieder herauswillst. Deine wichtigsten Werte liegen im FIT-Format: Training Load, Body Battery, Laufleistung in Watt, all die proprietären Metriken, für die du die Uhr überhaupt gekauft hast. Exportierst du nur als GPX, bekommst du Strecke und Höhenmeter, der Rest fehlt. TCX trägt etwas mehr, aber längst nicht alles.

Den einzelnen Lauf kannst du auf der Website noch als FIT ziehen. Die Garmin-App am Handy hat dafür keine Funktion, in keinem Dateiformat. Das wirkt weniger wie eine technische Lücke als wie eine Produktentscheidung. Wer seine komplette Historie sichern will, muss einen Komplett-Export anstoßen, den Garmin manuell verarbeitet und ein bis zwei Tage später per Mail schickt. Bei mehreren Jahren täglicher Aufzeichnungen rechnest du besser mit dem zweiten Tag.

Der Sync zu Strava oder TrainingPeaks läuft zwar bequem über Partner-Schnittstellen. Doch Garmin entscheidet, welche Tür offen steht. Je länger du dabei bist, desto teurer fühlt sich der Wechsel an. Der Preis sitzt im Kopf: Sechs Jahre Daten, an die du dich gewöhnt hast, lässt man nicht leichtfertig zurück. Genau dieser Mechanismus hält dich.

 

Deine nächste Uhr braucht einen Ausgang

Die Coros-Wahoo-Allianz ist technisch kein riesiger Sprung. Entscheidend ist, was sie verkauft: Offenheit. Zwei Hersteller stellen sich hin und sagen, deine Daten sollen zwischen unseren Welten frei fließen. Das setzt den Marktführer unter Druck. Wenn der Wettbewerb mit Datenhoheit wirbt, wird die geschlossene Tür zum Nachteil.

Coros und Wahoo präsentieren ihre Partnerschaft in London: Geräte beider Marken tauschen erstmals automatisch Trainingsdaten aus.
Londoner Showdown – Coros und Wahoo synchronisieren Laufdaten live.

Für dich am Handgelenk bedeutet das vor allem eins: Stell die Plattform-Frage vor der Hardware-Frage. Nicht nur, welche Uhr die schöneren Metriken zeigt, sondern auch, wie du im Zweifel wieder rauskommst. Eine Uhr trägst du zwei, drei Jahre. Deine Trainingshistorie willst du länger behalten. Wer einmal beim Wechsel vor einer halb leeren Datei stand, vergisst die Lektion nicht.

Und du musst nicht warten, bis die Hersteller das für dich lösen. Wie du deine Regeneration über Daten steuerst, hängt am Ende davon ab, dass dir diese Daten auch gehören. Ein neutraler Sammelpunkt, der kein Geräte-Hersteller ist, nimmt dir die Abhängigkeit. Dann bestimmst du, welche Marke als Nächstes ans Handgelenk kommt, und nicht die Datei, die du nicht mitnehmen konntest.

Tipp: Lade dir einmal im Quartal deinen kompletten FIT-Verlauf herunter und kippe ihn in eine geräteunabhängige Plattform wie Intervals.icu oder GoldenCheetah. Beide lesen FIT direkt ein und gehören keinem Hardware-Hersteller. Dann gehört die Historie dir, egal welche Uhr als Nächstes kommt.

Cool-down

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Bringt mir die Coros-Wahoo-Partnerschaft etwas, wenn ich Garmin nutze?
Direkt erstmal nein, du bleibst in deinem Ökosystem. Indirekt schon: Wenn die Konkurrenz Offenheit zum Verkaufsargument macht, steigt der Druck auf Garmin, seine eigenen Türen weiter zu öffnen. Wettbewerb um Datenhoheit ist für alle Nutzer ein gutes Zeichen, egal welche Marke du trägst.
Kann ich meine Garmin-Daten überhaupt komplett mitnehmen?
Ja, über den Komplett-Export auf der Garmin-Connect-Website. Wähle das FIT-Format, nur das enthält Training Load, Body Battery und die proprietären Metriken. Rechne mit ein bis zwei Tagen Bearbeitung. Über die Handy-App geht es nicht, die hat keine Export-Funktion.
Was ist der Unterschied zwischen FIT, GPX und TCX?
FIT trägt alles: Strecke, Herzfrequenz, Leistung, Training Load und die herstellereigenen Werte. GPX ist im Kern nur Strecke plus Höhenprofil. TCX liegt dazwischen. Für ein echtes Backup, das du später wieder einlesen kannst, nimmst du immer FIT.
Lohnt sich der Uhrenwechsel überhaupt, wenn ich Daten verliere?
Du verlierst nichts, wenn du vorher exportierst. Der Fehler ist, die alte Uhr wegzulegen oder zu verkaufen, bevor die Historie gesichert ist. Mach den Export, leg die Datei in eine neutrale Plattform, dann ist der Wechsel risikolos. Die Lektion: Sicherung vor Wechsel, nicht danach.
Welche Plattform ist wirklich neutral?
Intervals.icu und GoldenCheetah lesen FIT direkt ein und gehören keinem Hardware-Hersteller. Strava synct bequem und ist ein guter sozialer Knoten, bleibt aber selbst eine Plattform mit eigenen Grenzen. Für die reine Datensicherung ist ein herstellerunabhängiges Tool die sauberste Wahl.

Bildquelle: Titelbild und Beitragsbilder KI-generiert (Juni 2026)