Marathon-Endspurt: was die letzten Wochen noch bringen
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Fünf Wochen, fünf Entscheidungen. Ab jetzt entsteht keine neue Grundlage mehr, verspielen lässt sich die vorhandene aber sehr wohl. Eine Auswertung von 158.117 Marathonläufen zeigt, was ein sauber gefahrener Schlussabschnitt bringt: im Median fünfeinhalb Minuten. Hier steht, welche Einheit davon wirklich trägt und welche nur Substanz kostet.
Der BMW Berlin-Marathon startet am 27. September 2026, der Generali Köln Marathon am 4. Oktober, der Mainova Frankfurt Marathon am 25. Oktober. Wer für Berlin gemeldet ist, steht heute sechs Wochen davor. Für alle anderen beginnt der entscheidende Abschnitt in den nächsten Tagen.
Und der ist unangenehm. Hart ist er nicht. Er belohnt nur nichts mehr, was du neu anfängst. Die Fitness für dein Rennen ist im Juni und Juli entstanden. Die letzten fünf Wochen entscheiden nur noch darüber, wie viel davon an der Startlinie ankommt.
Woche 5 und 4: der letzte Block, der ankommt
Diese beiden Wochen sind die einzigen im Restprogramm, in denen harte Arbeit noch eine Anpassung auslöst statt nur Müdigkeit. Hier liegt dein höchster Wochenumfang, hier gehören die letzten Einheiten im Renntempo hin, hier darfst du dich bewusst tief reinschieben.
Eine Metaanalyse von Wang und Kollegen, 2023 in PLOS One erschienen, hat 14 Studien mit 174 Ausdauerathletinnen und -athleten ausgewertet. Ein Ergebnis fällt für diesen Zeitpunkt besonders auf: Ein Rückbau, dem eine bewusste Belastungsspitze vorausgeht, wirkt stärker als ein Rückbau ohne diese Spitze. Die Erschöpfung von jetzt ist also kein Betriebsunfall. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass die Erholung später überhaupt etwas zu heben hat.
Zwei Bedingungen hängen daran. Erstens musst du die Spitze auch wieder loswerden, sonst schleppst du sie ins Rennen. Zweitens braucht es einen Plan für den Rückbau, sonst wird aus der Spitze eine Grube. Wenn dein Block ohne Startnummer läuft und du gerade überlegst, ob sich das Ganze überhaupt lohnt, haben wir das in Marathon-Block ohne Rennen auseinandergenommen.
Der Fahrplan bis zur Startlinie
Höchster Umfang der Saison. Lange Einheit mit Renntempo-Anteil, Verpflegung am Rennformat testen.
Letzte wirklich harte Tempoeinheit. Ab hier zählt eine Einheit nur, wenn du sie bis zum Renntag verdaut hast.
Der letzte lange Lauf, danach Schnitt. Der Umfang beginnt zu fallen, das Tempo bleibt im Programm.
Umfang deutlich runter, kurze Reize im Renntempo bleiben. Schlaf wird zur Trainingsvariable.
Wenig Volumen, ein paar zackige Minuten, viel Langeweile. Genau so soll es sich anfühlen.
Der letzte lange Lauf hat ein Ablaufdatum
Es gibt diesen einen Lauf, der in fast jedem Plan drei Wochen vor dem Rennen steht. Das hat einen Grund: Ein langer Lauf macht zwei Rechnungen auf. Er leert die Speicher und er beschädigt Muskulatur. Beides braucht Zeit. Diese Zeit hast du danach nicht mehr doppelt.
Die große Auswertung von Barry Smyth und Aonghus Lawlor, 2021 in Frontiers in Sports and Active Living veröffentlicht, macht das indirekt sichtbar. Die beiden nahmen als Referenzwert für das normale Trainingsvolumen ausgerechnet die Wochen fünf und sechs vor dem Rennen. Alles danach gilt in ihrer Systematik bereits als Rückbau. Fünf Wochen sind also nicht der Schlussspurt der Vorbereitung. Sie sind ihr Abgesang.
Praktisch heißt das: Ein 32er zehn Tage vor dem Start baut nichts mehr auf. Er frisst nur die Erholung, die dein Rennen gebraucht hätte. Das Gefühl, das ihn trotzdem attraktiv macht, ist keine Trainingslogik, es ist Nervosität in Laufschuhen. Wie der Rückbau danach im Detail aussieht, steht in unserem Beitrag zum Marathon-Tapering.
Der Umfang fällt, das Tempo bleibt stehen
Hier liegt der am besten belegte Hebel des gesamten Abschnitts. Trotzdem wird er regelmäßig falsch bedient. Die Metaanalyse von Laurent Bosquet aus dem Jahr 2007 fasste 27 Studien zusammen und kam auf eine klare Kombination: Umfang exponentiell um 41 bis 60 Prozent senken, Intensität und Trainingshäufigkeit unangetastet lassen. Die PLOS-One-Auswertung von 2023 bestätigt beide Punkte einzeln. Wer die Intensität mit absenkte, holte keinen Zuwachs.
Der typische Fehler ist deshalb nicht zu viel Training. Er ist zu weiches. Drei Wochen lockeres Traben in immer gleichem Tempo fühlt sich diszipliniert an und nimmt dir genau die Spritzigkeit, für die du den ganzen Sommer gearbeitet hast. Kurze Reize im Renntempo bleiben im Programm, sie werden nur seltener und deutlich kürzer.
Der Formverlust, den alle fürchten, kommt nicht
Die Sorge dahinter ist echt. Drei Wochen weniger laufen. Da muss sich die Sommerarbeit doch auflösen. Die Daten sagen etwas anderes. Sie unterscheiden sauber zwischen zwei Fällen. Bei komplettem Trainingsstopp verliert eine trainierte Person in den ersten zwei bis drei Wochen etwa vier bis sieben Prozent ihrer maximalen Sauerstoffaufnahme. Der größte Teil davon geht auf ein schrumpfendes Blutplasmavolumen zurück, nicht auf verlorene Muskulatur.
Der zweite Fall ist deiner. Wird das Volumen stark gesenkt, die Intensität aber gehalten und die Zahl der Trainingstage nur moderat reduziert, bleibt die Sauerstoffaufnahme über einen Zeitraum von etwa vier Wochen erhalten. Genau dieses Muster beschreibt der Rückbau vor einem Marathon. Du hörst nicht auf zu laufen, du hörst auf, dich müde zu laufen.
| Trägt dich bis zum Renntag | Kostet nur noch Substanz |
|---|---|
| Kurze Abschnitte im Renntempo, zweimal pro Woche | Ein weiterer 30er in Woche 2, weil sich der letzte mies anfühlte |
| Trainingstage beibehalten, Einheiten kürzen | Ganze Tage streichen und dafür einzelne Einheiten aufblasen |
| Verpflegung und Ausrüstung im letzten langen Lauf durchspielen | Neue Schuhe, neues Gel, neues Trikot in der Rennwoche |
| Krafttraining reduziert weiterlaufen lassen | Neue Kraftreize setzen, weil plötzlich Zeit übrig ist |
| Schlaf verlängern und Kohlenhydrate hochfahren | Zusätzliche Kilometer aus Nervosität, meist abends |
Erholung ist jetzt die härteste Einheit
Das klingt nach Kalenderspruch und ist trotzdem der Punkt, an dem die meisten Marathonvorbereitungen kippen. Wenn der Umfang fällt, entsteht Zeit. Diese Zeit gehört dem Schlaf, der Ernährung und dem Ignorieren fremder Trainingspläne auf dem Handy. Wie viel dein Wearable dir dabei wirklich sagen kann, haben wir uns in Schlaf-Score gegen Leistungsdaten angesehen.
Zwei Baustellen sind neu in diesem Abschnitt. Die erste: Der Kohlenhydratanteil steigt, während der Verbrauch sinkt. Die Waage reagiert, das ist eingeplant und kein Kontrollverlust. Die zweite: Das Immunsystem sitzt nach Wochen mit hoher Last nicht gerade sattelfest, gleichzeitig füllen sich die Büros nach den Sommerferien wieder. Ein Infekt in Woche 2 ist ärgerlich, ein Rennstart mit Infekt ist gefährlich.
Mit fiebrigem Infekt gehört niemand an eine Startlinie. Eine Herzmuskelentzündung entsteht genau in dieser Konstellation und sie hat nichts mit Zähigkeit zu tun. Bei Fieber, Gliederschmerzen oder Luftnot unter Belastung gilt: nicht starten, ärztlich abklären.
Was bleibt, ist eine unspektakuläre Wahrheit. Die letzten fünf Wochen machen dich nicht schneller, sie machen dich abrufbar. Wer das aushält, steht am Renntag mit einem Körper an der Linie, der die ganze Arbeit noch hat. Was du danach unter Belastung damit anfängst, ist wieder eine andere Geschichte. Die beginnt oft bei der Frage, warum die Wade auf Kilometer 35 zumacht. Dazu haben wir uns die Krämpfe im Finale genauer angesehen.
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Wie viele Kilometer laufe ich in der Rennwoche noch?
Ich habe eine Woche krank verpasst. Ist das Rennen gelaufen?
Warum fühle ich mich beim Rückbau schlechter statt frischer?
Woher stammen die Zahlen in diesem Artikel?
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Krampf im Finale: Was Elite-Dramen dir sagen →
Schlaf-Score vs. Leistungsdaten: Was wirklich zählt →
Quelle Titelbild: Pexels / Andras Stefuca (px:17843096), Beitragsbild: Pexels / Wesley Davi (px:33417692)







