Trail-Running-Schuhe 2026: Die Release-Welle von Hoka Mafate X bis Salomon S/Lab Pulsar 3

Trail-Running-Schuhe 2026: Die Release-Welle von Hoka Mafate X bis Salomon S/Lab Pulsar 3

6 Min. Lesezeit

Die 2026er Trail-Saison ist da und fast jeder Hersteller hat in den letzten Monaten sein Flaggschiff aktualisiert. Hoka Mafate X, Speedgoat 6, Saucony Xodus Ultra 3, Salomon S/Lab Pulsar 3, On Cloudultra Pro, Nike Ultrafly 2 – sechs Schuhe, sechs komplett unterschiedliche Philosophien. Dieser Überblick sortiert die Release-Welle nach Terrain und Einsatzgebiet. Keine Werbung, keine Affiliate-Links, nur harte Specs und klare Empfehlungen.

28.04.2026

Kurzer Sprint

  • Carbon-Plates wandern flächendeckend in Trail-Schuhe. Hoka Mafate X, Tecton X3 und Nike Ultrafly 2 machen Plate-Tech zum Standard für längere Distanzen.
  • Stack-Heights steigen. 39 bis 49 Millimeter sind für Ultradistanzen angekommen, auch bei technischem Terrain.
  • Salomon hält gegen mit dem S/Lab Pulsar 3 als Race-Spezialist ohne Plate – weniger ist bei kurzen Distanzen immer noch mehr.
  • Preise in der Spitze bei 260 Euro, im Alltagssegment zwischen 145 und 180 Euro – die Kluft zwischen Race und Training wird größer.
  • Die ehrliche Antwort bleibt: Der beste Schuh ist der, der zu deinem Haupt-Terrain passt. Kein Modell kann alles.

 

Was die Release-Welle 2026 bedeutet

Zwei Trends laufen parallel. Erstens: Carbon-Plates sind aus der Straße final in den Trail angekommen. Was 2023 mit Hoka Tecton X und Nike Ultrafly startete, ist 2026 flächendeckender Standard für alles ab 50 Kilometern – Hoka Mafate X bringt eine Gabel-Carbon-Plate, Nike Ultrafly 2 eine Vollplate, Saucony den Speedroll-Rocker mit PWRRUN-PB-Foam. Die Hersteller haben gelernt, dass Plates auf Trail stabilisieren müssen, statt zu katapultieren.

Zweitens: Stack-Heights steigen. 49 Millimeter beim Mafate X, 39 beim Cloudultra Pro – das ist eine Dimension, die 2020 noch absurd gewirkt hätte. Der Trade-off: Komfort und Dämpfung für Ultradistanzen, dafür weniger Trail-Feel und höhere Kippgefahr in technischem Gelände. Wer kurze Races auf ruppigem Terrain läuft, wählt bewusst das Gegenteil.

145-260 €
Preisspanne der 2026er Trail-Flaggschiffe
200-310 g
Gewichtsspanne zwischen Race- und Ultra-Schuh
0-8 mm
Drop-Spanne der aktuellen Top-Modelle

 

Die sechs Schuhe im Vergleich

Die nachfolgende Tabelle zeigt nur verifizierte Hersteller- und Review-Daten. Wo der Hersteller unterschiedliche Angaben zur Testpresse macht, habe ich die gängigste Review-Angabe gewählt. Gewicht bezieht sich auf US-Size 9 Men's, das ist Industrie-Standard für Vergleiche. Stack ist die offizielle Herstellerangabe.

Modell Stack / Drop Gewicht Plate Preis Stärke
Hoka Mafate X 49 / 4 mm ~310 g Carbon (gegabelt) 260 € Ultra-Distanzen, max. Dämpfung
Hoka Speedgoat 6 33 / 4 mm ~280 g keine 160 € Allrounder, technisches Terrain
Saucony Xodus Ultra 3 36 / 6 mm ~309 g keine 170 € Ultra-Komfort, grobes Terrain
Salomon S/Lab Pulsar 3 24 / 6 mm ~200 g keine 180 € Short Race, technische Passagen
On Cloudultra Pro 39 / 6 mm ~295 g Fiberglas 260 € Ultra-Racing, rockered Forward Roll
Nike Ultrafly 2 42 / 8 mm ~285 g Carbon (Vollplate) 260 € Harte, schnelle Ultras

Ein Hinweis zu den Plates: Der Mafate X hat eine gegabelte Carbon-Plate, die primär stabilisiert statt katapultiert. Nike Ultrafly 2 ist aggressiver mit einer Vollplate und 42 Millimetern Stack – das ist Race-Tech, nicht Training. Für Einsteiger, die gerade mit Trail starten, sind Plate-Schuhe meist zu viel. Die klassische Einstiegs-Empfehlung bleibt der Speedgoat 6 oder der Xodus Ultra 3 – beide ohne Plate, beide verzeihend.

 

Für welches Terrain welcher Schuh

Wer im Schwarzwald, Bayerischen Wald oder auf Wiesenabschnitten trainiert, braucht keinen 49-Millimeter-Stack. Speedgoat 6 oder Xodus Ultra 3 decken 80 Prozent aller Alltagsläufe ab – solide Grip durch Vibram Megagrip (Hoka) oder PWRTRAC (Saucony), genug Dämpfung für drei-Stunden-Runden. Kosten unter 180 Euro, halten 700 bis 1.000 Kilometer.

Wer wirklich Ultras anpeilt, also Distanzen jenseits 50 Kilometer, profitiert von den Plate-Modellen. Hoka Mafate X und Nike Ultrafly 2 sind auf Zielzeiten getrimmt, nicht auf Komfort-Langsamläufe – der Vorwärts-Rocker macht nur bei höherem Tempo Sinn. On Cloudultra Pro sitzt in der Mitte: Fiberglas-Plate, weniger aggressiv, dafür kompatibel mit breiteren Füßen. Für Race-Tage unter vier Stunden auf technischem Terrain bleibt der Salomon S/Lab Pulsar 3 der Favorit – leicht, direkt, unkompliziert. Der 200-Kilometer-Langzeittest 2026 hat gezeigt, was wirklich hält.

Pack ein

  • Speedgoat 6 für den Trainings-Alltag
  • S/Lab Pulsar 3 für kurze Races bis 25 km
  • Mafate X oder Ultrafly 2 nur für Ultra-Wettkämpfe
  • Ersatz-Schnürsenkel und Paar Kompressions-Socken

Brauchst du nicht

  • Zwei Plate-Schuhe gleichzeitig – einer reicht
  • Den Mafate X für Alltagsrunden unter einer Stunde
  • Preis-Aufschlag für farbliche Sondervarianten
  • Ultra-Cushion-Schuh wenn du nur Strecken unter 20 km läufst

 

Was du als Einsteiger 2026 wirklich brauchst

Wenn du dieses Jahr mit Trail-Running startest, kauf keinen Plate-Schuh. Punkt. Speedgoat 6 oder Xodus Ultra 3 decken dich für die ersten zwei Jahre ab. Das Geld, das du am Schuh sparst, investierst du sinnvoller in ein gutes Hydration-Pack, eine Stirnlampe und regelmäßige Einheiten bei einer Laufgruppe. Die Schuhe werden sich in ein paar Saisons sowieso komplett umsortieren – wer jetzt 260 Euro für den Race-Spezialisten ausgibt, hat in zwei Jahren den Nachfolger auf dem Schirm und den alten Schuh mit 400 Kilometern im Keller.

Cool-down

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Sind Carbon-Plates auf Trail wirklich sinnvoll?
Auf langen, gleichmäßigen Trails mit wenig technischem Geröll ja – der Forward Roll spart Energie über viele Kilometer. Auf ruppigem Gelände mit Wurzeln und Steinen zahlt die Plate nichts zurück, weil die Schrittfrequenz unregelmäßig ist und der Rocker nicht zum Tragen kommt. Fürs Training ist eine Plate fast nie nötig. Für Race-Tage über 50 km auf moderaten Trails kann sie zehn bis zwanzig Minuten bringen.
Wie lange hält so ein 2026er Trail-Schuh?
Die gängige Herstellerangabe ist 600 bis 800 Kilometer. Realistisch sind bei weichem Untergrund (Wiesen, Waldboden) bis 1.000 Kilometer, bei rauem Geröll und vielen Fels-Passagen manchmal nur 500. Das Außensohlen-Profil ist meist der begrenzende Faktor – die Dämpfung hält fast immer länger. Ein Blick auf die Stollen nach jeder Saison spart dir böse Überraschungen beim nächsten Race.
Lohnt es sich, beide Speedgoat und Xodus zu haben?
Nicht für Einsteiger. Die beiden Modelle überlappen in Einsatzgebiet und Preisklasse stark. Sinnvoller ist es, einen Alltagsschuh (einen von beiden) und einen spezialisierten Race-Schuh (Pulsar 3 oder Cloudultra Pro) zu kombinieren. Wer über 5.000 Kilometer pro Jahr läuft, macht das Rotation-Prinzip – drei Schuhe abwechseln, jeder läuft länger.
Fallen die genannten Modelle normal aus?
Hoka fällt tendenziell normal bis leicht schmal aus, besonders im Vorfußbereich. Salomon läuft meist schmal – nicht umsonst haben sie das Twinskin-Upper mit stramm anliegendem Sitz. On fällt großzügig aus durch die breitere Toe-Box. Saucony und Nike liegen dazwischen. Bei Trail-Schuhen lieber eine halbe Nummer größer, die Füße schwellen auf Langdistanzen deutlich.
Wo fange ich an, wenn ich noch gar keinen Trail-Schuh habe?
Speedgoat 6 ist der sichere Einstieg – Vibram-Megagrip-Außensohle, unaufgeregte Dämpfung, faire 160 Euro. Der deckt alles von der Trainings-Runde im Stadtwald bis zum 20-Kilometer-Marathon auf Trails ab. Erst wenn du weißt, wo dein Ziel hingeht (kurze Races oder Ultras?), macht die Spezialisierung Sinn.


Quelle Titelbild: Pexels / Ilarawan Photography