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Skitourengehen: Dein Start in die Winter-Bergsport-Welt

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Alec Chizhik

6 Min. Lesezeit

In wenigen Wochen wird Skitourengehen olympisch. Bei den Winterspielen 2026 in Bormio steht Skimo erstmals im Programm. Aber du musst kein Olympionike sein, um diesen Sport zu entdecken. Über 600.000 Menschen in Deutschland gehen bereits auf Skitour. Was sie anzieht: Stille statt Sessellift, Natur statt Piste, Ganzkörpertraining statt Warteschlange. Hier ist alles, was du für den Einstieg brauchst.

Kurzer Sprint

  • Über 600.000 aktive Skitourengeher in Deutschland. Verdreifachung in 20 Jahren laut Deutschem Alpenverein.
  • Im Aufstieg verbrennst du 700 bis 800 Kilokalorien pro Stunde. Fast doppelt so viel wie normales Pistenfahren.
  • Ganzkörpertraining: Oberschenkel, Gesäß, Wade im Aufstieg. Rumpf und Adduktoren in der Abfahrt.
  • Einsteiger starten mit Pistentouren: lawinensicher, bewacht, keine Spezialausrüstung nötig.
  • Ab Februar 2026 olympisch: Skimo feiert in Bormio sein Debüt bei den Winterspielen.

 

Was Skitourengehen von Pistenfahren unterscheidet

Auf der Piste fährst du runter. Beim Skitourengehen gehst du rauf. Das klingt simpel, verändert aber alles. Statt Sessellift und Warteschlange steigst du mit Fellen unter den Skiern den Berg hinauf. In deinem eigenen Tempo, auf deiner eigenen Route, ohne Beschallung und Après-Ski-Gedudel. Oben angekommen, fällt die Stille auf dich wie eine warme Decke. Und dann fährst du durch unberührten Schnee wieder runter.

Der **Deutsche Alpenverein** zählt über 600.000 aktive Skitourengeher in Deutschland. Das ist eine Verdreifachung in den letzten 20 Jahren. Besonders das Segment der **Pistentouren** wächst rasant: rund 220.000 DAV-Mitglieder nutzen ausgewiesene Aufstiegsspuren in Skigebieten. Der Einstieg war nie leichter.

Und das Schöne: du brauchst keinen Skipass. Kein Anstehen, kein Gedränge. Nur dich, den Berg und den Schnee.

Was viele unterschätzen: Skitourengehen ist ein vollwertiges Ausdauertraining. Du bewegst dich im Aufstieg typischerweise bei 60 bis 75 Prozent deiner maximalen Herzfrequenz. Perfekte Zone für die Grundlagenausdauer. An steileren Passagen steigt die Intensität auf 80 bis 90 Prozent. Das heißt: du trainierst Fettverbrennung und Leistungsspitze in derselben Session.

Gruppe von Skitourengehern auf verschneitem Waldweg

Skitouren im Winterwald: Ausdauertraining mit Panorama. Pexels / Alois Lackner

 

Das passiert in deinem Körper

Im Aufstieg arbeiten vor allem **Oberschenkel** (Quadrizeps und hintere Oberschenkelmuskulatur), **Gesäßmuskulatur** und **Waden**. Der Stockeinsatz aktiviert Schultern, Arme und die gesamte Rumpfmuskulatur. In der Abfahrt dreht sich das Bild: Adduktoren, Abduktoren und die tiefe Rumpfmuskulatur fangen die Kräfte ab. Das ist exzentrische Belastung, also genau die Art von Training die Muskeln langfristig stärker und widerstandsfähiger macht.

Der Kalorienverbrauch ist beeindruckend. Sportwissenschaftliche Kalkulationen gehen von **700 bis 800 Kilokalorien pro Stunde** im Aufstieg aus. Zum Vergleich: Eine Messung des Schweizer Fernsehens SRF Puls ergab für normales Pistenfahren inklusive Liftzeiten nur rund 255 Kilokalorien pro Stunde. Skitourengehen liefert also etwa das Dreifache der Belastung bei deutlich weniger Impact auf die Gelenke.

Der Clou: Du steuerst die Intensität komplett selbst. Langsamer Aufstieg in der Grundlagenzone verbrennt vor allem Fett. Steile Spuranlage oder schnelleres Tempo treibt die Herzfrequenz hoch und trainiert die anaerobe Schwelle. Ein und derselbe Sport, zwei komplett verschiedene Trainingsreize. Und das Beste: du merkst es kaum, weil die Landschaft dich ablenkt. Wer schon mal drei Stunden auf dem Laufband gestanden hat, weiß, was das bedeutet.

600.000+
aktive Tourengeher in Deutschland (DAV)
700-800
kcal/Stunde im Aufstieg
3x
mehr als Pistenskifahren inkl. Liftzeiten

 

Die richtige Ausrüstung: Was du wirklich brauchst

Für eine **Pistentour** (der empfohlene Einstieg) brauchst du Tourenskier mit Tourenbindung, Tourenskischuhe mit Walk-Modus und Klebefelle für den Aufstieg. Dazu einen Rucksack mit 20 bis 35 Litern, Wechselkleidung und Verpflegung. Das ist die Grundausstattung. Wer die Investition noch scheut: viele Sportgeschäfte und Skigebiete bieten **komplette Leihsets** an.

Sobald du ins **freie Gelände** willst, wird die Sicherheitsausrüstung zur Pflicht. LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät), Lawinensonde und Lawinenschaufel sind das absolute Minimum. Ein Airbag-Rucksack erhöht die Überlebenschancen bei einem Lawinenabgang zusätzlich, ist aber kein Ersatz für Wissen und Vorsicht.

Für den Start auf Pistentouren reicht übrigens auch normales Pistenskifahrer-Equipment mit Tourenfellen zum Testen. Viele Skigebiete bieten inzwischen spezielle Tourennachmittage an, bei denen du Material leihen und die Technik unter Anleitung lernen kannst.

Beim Zwiebelprinzip für die Kleidung gilt: Funktionsunterwäsche als Basis, eine isolierende Midlayer-Schicht und eine wind- sowie wasserdichte Hardshell als äußere Hülle. Im Aufstieg wirst du schwitzen, in der Abfahrt frieren. Dein System muss beides können.

Faustregel: Für den Einstieg eine Pistentour mit Leihausrüstung. Wenn du nach drei Touren immer noch grinst, investiere in eigenes Material.

 

Deine erste Tour: So planst du sie richtig

Starte mit einer **Pistentour in einem Skigebiet mit ausgewiesener Aufstiegsspur**. Von 48 Skigebieten in den Bayerischen Alpen haben 20 solche Spuren. Dort bist du lawinensicher, andere Tourengeher zeigen dir den Weg und im Notfall ist die Bergrettung in der Nähe.

Für Einsteiger empfiehlt der DAV **500 bis 1.000 Höhenmeter** als erste Tour. Als Aufstiegsgeschwindigkeit rechne mit 200 bis 300 Höhenmetern pro Stunde. Eine Tour mit 800 Höhenmetern dauert also knapp drei Stunden bergauf. Die Abfahrt geht deutlich schneller, plane etwa ein Drittel der Aufstiegszeit ein.

Wichtig: Geh nie alleine auf Tour, besonders nicht als Anfänger. Nimm ausreichend Wasser und einen Snack mit. Starte früh am Morgen, wenn der Schnee noch fest und griffig ist. Und überprüfe vor jeder Tour den **Lawinenlagebericht**. Die Lawineninformationsdienste der Alpenländer veröffentlichen täglich aktualisierte Gefahrenstufen.

 

Sicherheit am Berg: Das Minimum das du kennen musst

Pistentouren sind vergleichsweise sicher. Sobald du aber ins **freie Gelände** willst, brauchst du Lawinenwissen. Der DAV bietet regelmäßig **Lawinenkurse** an. Die kosten einen Nachmittag und können dein Leben retten. Kein YouTube-Video ersetzt einen Kurs mit Praxis im Schnee.

Grundregeln für freies Gelände: Maximale Hangneigung für Einsteiger unter **30 Grad**. Vor der Tour die Gefahrenstufe checken. LVS-Gerät auf „Senden“ stellen und einen Partnercheck machen. Die DAV SnowCard ist ein kostenloses Hilfsmittel zur Risikoeinschätzung und auch als App verfügbar. Sie hilft dir, Hangneigung und Lawinengefahr in Relation zu setzen.

Und die wichtigste Regel: wenn sich das Wetter ändert, die Sicht schlechter wird oder das Gelände steiler als geplant, umdrehen. Kein Gipfel ist es wert. Der Berg steht morgen noch. Diese Demut vor dem Berg unterscheidet erfahrene Tourengeher von Anfängern. Nicht die Geschwindigkeit, nicht die Technik. Sondern die Bereitschaft, nein zu sagen.

Wer Kälte nach dem Training sucht: Eisbaden ist die perfekte Ergänzung zur Skitour. Beide Sportarten trainieren deine Fähigkeit, mit extremen Bedingungen umzugehen. Der Unterschied: beim Skitourengehen bewegt sich der ganze Körper, beim Eisbaden steht er still. Beides macht dich widerstandsfähiger.

 

Skimo bei Olympia 2026: Was das für den Sport bedeutet

Bei den Winterspielen in Milano-Cortina feiert Skibergsteigen sein olympisches Debüt. Drei Disziplinen stehen auf dem Programm: Sprint Frauen, Sprint Männer und Mixed-Staffel. Der Austragungsort ist Bormio. Das bedeutet: ein Sport, der jahrzehntelang als Nische galt, bekommt die größte Bühne der Welt.

Für dich als Einsteiger heißt das vor allem eines: bessere Infrastruktur, mehr Angebote, mehr Aufmerksamkeit. Skigebiete werden weitere Aufstiegsspuren ausweisen. Hersteller werden günstigere Einsteigermodelle anbieten. Und der Lawinenkurs beim DAV wird voller sein als je zuvor.

Auch die deutsche Szene hat Grund zum Jubeln. Bei früheren Weltmeisterschaften haben deutsche Athletinnen und Athleten regelmäßig vordere Plätze belegt. Das olympische Debüt könnte dem Sport in Deutschland den Schub geben, den Mountainbiking in den 1990ern durch seine Olympia-Aufnahme erfahren hat. Der beste Zeitpunkt anzufangen ist genau jetzt, bevor es alle tun.

Wer gerade wieder mit Sport anfängt, findet im Skitourengehen eine der schönsten Möglichkeiten, Fitness und Naturerlebnis zu verbinden. Kein anderer Wintersport kombiniert Ausdauer, Kraft und mentale Stärke so elegant wie der Aufstieg auf Skiern durch unberührten Schnee.

 

Cool-down

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Brauche ich Ski-Erfahrung fürs Skitourengehen?
Für den Aufstieg nicht. Das ist im Grunde Gehen mit Skiern. Für die Abfahrt solltest du sicher auf der Piste fahren können. Parallelschwung auf roten Pisten reicht völlig. Wenn du nur Pistentouren machst, ist die Abfahrt ohnehin auf präparierter Piste.
Was kostet eine Skitourenausrüstung?
Einsteiger-Sets (Ski, Bindung, Schuhe, Felle) gibt es ab etwa 800 Euro. Dazu kommen Rucksack und Sicherheitsausrüstung (LVS, Sonde, Schaufel) für weitere 300 bis 500 Euro. Zum Ausprobieren empfehlen sich Leihsets, die es in vielen Skigebieten und Sportgeschäften gibt.
Wie fit muss ich sein?
Du solltest in der Lage sein, zwei bis drei Stunden am Stück zu gehen. Hügelwandern oder Treppensteigen ist eine gute Vorbereitung. Die Intensität bestimmst du selbst durch das Tempo und die Routenwahl. Starte mit kürzeren Touren (500 Höhenmeter) und steigere dich.
Ist Skitourengehen gefährlich?
Pistentouren auf ausgewiesenen Spuren sind sicher. Im freien Gelände besteht Lawinengefahr. Mit einem Lawinenkurs (z.B. beim DAV), der richtigen Sicherheitsausrüstung und gesundem Respekt vor dem Berg lässt sich das Risiko gut managen. Nie alleine gehen, immer den Lawinenbericht checken.
Kann ich im Sommer für Skitouren trainieren?
Absolut. Bergwandern, Trailrunning und Radfahren trainieren die Ausdauer. Kniebeugen, Ausfallschritte und Core-Training stärken die Muskulatur. Die beste Vorbereitung ist regelmäßiges Gehen im hügeligen Gelände mit Rucksack. Und: Gleichgewichtsübungen helfen bei der Abfahrt im unpräparierten Schnee.

Quelle Titelbild: Pexels / Alois Lackner

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