Klettersteig-Saison 2026: Sieben alpine Via Ferrata die im Mai schon offen sind
8 Min. Lesezeit
Die meisten warten bis Juni. Du nicht. Wenn die Dolomiten-Klassiker noch Schnee tragen, sind tiefer gelegene Klettersteige in Tirol, Vorarlberg, Bayern und der Schweiz längst trocken, sonnig und leer. Sieben Via Ferrata, die im Mai 2026 schon laufen – kuratiert nach Lage, Lift-Saison und echter Begehbarkeit.
30.04.2026
Warum Mai das ehrliche Einstiegsfenster ist
Die Hochalpen tragen im Mai noch Altschnee in den Nordflanken. Routen über 2.400 Meter sind oft vereist, Sicherungen mit Schnee zugeweht und der Abstieg wird zur Rutschpartie. Tiefer gelegene Klettersteige dagegen trocknen früh ab – Südseiten, Wasserfälle, Gardasee-Anrainer. Die Luft ist kühl genug für lange Touren, die Felsen warm genug für sichere Griffe und die Hütten haben noch Platz. Der Deal: weniger Auswahl, aber null Massenandrang.
Ich bin letzten Mai zum Colodri in Arco hoch. Sonntag, halb acht, drei Autos auf dem Parkplatz. Im August stehen dort hundert. Das Wetter war 19 Grad und Sonne. Wer im Mai klettert, hat das Recht, ein bisschen arrogant zu werden.
Die Mai-Saison hat noch einen Vorteil, über den selten jemand redet: die Hütten sind entspannt. Keine Reservierung vier Monate im Voraus, kein ausgebuchtes Lager, keine gestresste Wirtin. Wer an einem Samstagabend im Mai auf einer Schutzhütte ankommt, kriegt Platz, Suppe und ein Gespräch. Im Juli bekommst du eine Wartenummer. Das gehört zur ehrlichen Rechnung: im Mai ist der Fels nicht perfekter, aber das Drumherum ist es.
Die Schwierigkeitsskalen: K1 bis K6 oder A bis F
Zwei Systeme teilen sich den Markt. Die Hüsler-Skala (K1 leicht bis K6 extrem schwierig) ist im deutschsprachigen Raum dominant. Die Schall-Skala (A leicht bis F extrem schwierig, parallel eingeführt von Kurt Schall aus Österreich) taucht in Topos aus Österreich und Südtirol häufiger auf. Grob: K1 ≈ A, K3 ≈ C, K6 ≈ F. Für Einsteiger heißt das: K1 bis K3 (A bis C) sind der Spielplatz für die ersten Jahre. Alles ab K4 (D) verlangt Trittsicherheit, Kraftausdauer und Erfahrung mit luftigen Passagen.
Für alle sieben Routen unten steht die Schwierigkeit in Hüsler-Skala-Notation, weil sie die meisten deutschsprachigen Kletterer intuitiv lesen können. Im Zweifel: die Topo auf via-ferrata.de oder klettersteig.de nochmal gegenprüfen, bevor es an den Fels geht.
Ein häufiger Fehler im Mai: die Schwierigkeit wird unterschätzt, weil die Route „nur“ mit K3 bewertet ist. Aber K3 im Mai mit klammen Fingern, Restschnee im Schatten und Wind, der den Nebel ins Tal drückt, ist nicht das gleiche wie K3 im Juli bei 22 Grad. Eine halbe Schwierigkeitsstufe runter im Mai ist die ehrliche Faustregel. Wer sich bei K3 im Sommer solide fühlt, bleibt im Mai bei K2. Wer im Sommer K4 geht, traut sich im Mai K3 zu. Das kostet nichts, rettet dir aber im Zweifel den Tag.
Die sieben Routen für den Mai 2026
Kuratiert nach: tiefer Einstiegshöhe, Sonnenexposition, Bahn- oder Aufstiegslogistik und dem, was die Schneelage im April typischerweise zulässt. Alle Routen sind auf via-ferrata.de, klettersteig.de und bei den jeweiligen Tourismusverbänden dokumentiert.
1. Via Ferrata Cima Capi (Sentiero Susatti)
Panoramarunde am Westufer des Gardasees, Einstieg bei Riva. Der wohl wärmste Einstieg ins Jahr – Route liegt ganzjährig offen, bei Schnee oder Vereisung natürlich nicht.
2. Ferrata Colodri
Arco, klassischer Einsteiger-Klettersteig mit kurzer Zustiegszeit. Seit dem Umbau 2024 komplett durchgehend versichert, leicht anspruchsvoller geworden (B/C), aber immer noch familientauglich.
3. Stuibenfall Klettersteig
Umhausen, entlang Tirols höchstem Wasserfall. Bis 1.500 Meter Einstieg, südseitig. Abendklettersteig wird ab Mai jeden Mittwoch ab 20 Uhr angeboten – Geheimtipp für laue Frühsommerabende.
4. 5-Gipfel-Klettersteig Rofan
Einer der längsten Klettersteige der Alpen, in fünf Sektionen aufteilbar (B/C bis C/D). Sommerbetrieb laut Achensee-Tourismus ab 25. April 2026. Bahn Maurach macht das Early-Season-Projekt machbar.
5. Mittenwalder Höhenweg
Gratklettersteig von der Karwendelbahn über fünf Gipfel. Schwierigkeit nur B, aber knapp 12 Kilometer lang und konditionell ehrlich. Mit Bahnbetrieb ab Mai problemlos machbar.
6. Klettersteig Allmenalp Kandersteg
Spektakuläre Route am Wasserfall entlang, C/D-Schwierigkeit mit Variante „Freude herrscht“ bis D. Saisonstart ist bahnabhängig – typisch ab 21. Mai bis 25. Mai, wenn die Luftseilbahn wieder fährt. Daten immer aktuell bei allmenalp.ch prüfen.
7. Klettersteig Gerlossteinwand
Anspruchsvoll, D-Schwierigkeit, südseitig über Zell am Ziller. Beste Saison laut via-ferrata.de ist Mai bis Oktober. Für erfahrene Via-Ferrata-Gänger, die Mai-Sonne am Fels suchen – nicht für Einsteiger.
Was du im Mai zusätzlich einpacken solltest
Die Liste ist keine Sommer-Liste. Im Mai hängt noch Restschnee in den schattigen Couloirs, die Temperatur fällt nachts unter null und Gewitter kommen schneller als der Wetterbericht sie vorhersagt. Das Gear ist das gleiche wie im Sommer – plus vier Dinge.
Handschuhe: dünne Kletterhandschuhe mit Grip, nicht die Winterhandschuhe aus dem Skiurlaub. Kaltes Stahlseil im Schatten frisst die Finger. Hardshell: eine leichte, windstabile Jacke die in jedem Rucksack Platz findet. Mai-Wetter wechselt alle zwei Stunden. Stirnlampe: nicht weil es dunkel wird, sondern weil die Tage kürzer wirken als im August – wenn eine Route länger dauert als geplant, willst du die Stirnlampe dabeihaben. Und: Steigeisen nein, aber Grödel (Ketten-Spikes) ja, wenn der Zustieg über Altschnee führt.
Noch ein Punkt, den viele unterschätzen: das Wasser. Im Mai sind viele Brunnen an Hütten oder Bergbauern noch abgestellt, Wasserstellen unterwegs führen Schmelzwasser, aber nicht überall trinkbar. Pack zwei Liter ein, plus einen Filter oder Chlortabletten als Backup. Und check, ob die Hütte auf deiner Route bereits offen hat – viele Alpenvereinshütten öffnen erst zwischen Pfingsten und Mitte Juni. Wenn du auf eine geschlossene Hütte stößt, hilft die beste Route nichts.
Wer noch nie an einem Klettersteig war
Die Einstiegshürde ist niedriger, als viele denken. DAV-Sektionen und Alpinschulen bieten Tages-Einsteigerkurse ab etwa 40 Euro an. In einem Tag lernst du: Klettersteigset anlegen, Sicherungsübergänge an Ankerpunkten, Gehen am Stahlseil, Klettern an Leitern, Verhalten bei Gewitter. Danach ist ein K1- oder K2-Klettersteig machbar und du startest nicht blind.
Wer schon Bergerfahrung hat, kann auch direkt mit einer Partnerin oder einem Partner starten – aber nicht allein, nicht ohne Set, nicht ohne Helm. Die drei Dinge sind nicht verhandelbar, auch nicht für einen „leichten“ K1. Ein gebrauchtes Klettersteigset sollte man übrigens nicht kaufen – die Bandfalldämpfer haben eine begrenzte Lebensdauer und verlieren nach einem Sturz oder UV-Belastung ihre Sicherheitsreserve. Für das erste Jahr reicht ein solides Set von Edelrid, Petzl oder Mammut ab etwa 120 Euro, plus Helm (60-90 Euro) und Klettergurt (50-80 Euro). Details zur Ausrüstung, Partnercheck und Routenauswahl haben wir im Klettersteig-Guide 2026 gesammelt. Wer Frühjahrs-Training generell angehen will, findet Aufbau-Tipps im Frühjahrs-Fitness-Artikel.
Ein letzter Gedanke: Eine Via Ferrata im Mai ist kein Dolomiten-Epos im August. Sie ist kürzer, kühler, leerer – und oft der ehrlichste Einstieg ins Bergjahr. Keine Bucket-List-Route, kein Foto fürs Feed. Nur du, das Seil, das Tal unter dir. Und die Gewissheit, dass du die Saison startest, wenn andere noch die Skier abschleifen.
Cool-down
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London Marathon Post-Race Analyse: Was Elite-Splits und Titelverteidiger dem Hobbyläufer zeigen → London Marathon Post-Race Analyse: Was Elite-Splits und Titelverteidiger dem Hobbyläufer zeigen → Quelle Titelbild: Pexels / Marek Piwnicki
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