Kite: Mauritius – Dein Paradies für perfekte Windbedingungen

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Für mich als alten Freestyle-Hasen bot sich im September eine ganz neue Möglichkeit: Ich sollte als Drohnenpilot mit aufs North Kiteboarding Shooting für den 2017er Neo und Evo auf Mauritius. Obwohl zeitgleich der Worldcup auf Fehmarn stattfand, überlegte ich nicht lange und flog hin!

Bild2 - Marian Hund: Mein Trip ins Kite-Paradies Mauritius

In den ersten Tagen unseres Shootings zog ein Taifun durch den indischen Ozean und zwang die Drohne zu einer Zwangspause. Also schnappte ich mir einen 5er Neo und ein Waveboard, denn so groß sahen die Wellen von der Insel aus gar nicht aus.

 

Als ich das Riff überquerte, welches die Insel umgibt und vor den Wellen schützt, erkannte ich, dass die Wellen doch wesentlich größer waren. Erst als ich mir meinen Weg durch die Brandung erkämpft hatte, nahm ich die Situation richtig wahr. Um mich herum brachen dreistöckige Häuser aus Wasser in sich zusammen. Ein einziges Donnern der Wellen und das Zischen der Gischt lagen in meinen Ohren.

 

“Herzlich willkommen im Überlebenskampf, Marian”, geisterte es mir unaufhaltsam durch den Kopf. Aber es war auch schön, denn so einen Adrenalinpegel in Verbindung mit gestrichen voller Hose hatte ich schon seit vielen Jahren nicht mehr beim Kiten. Und es hat definitiv einen Hauch von Snowboarden, wenn du auf dem Wellenreiter einen 5-7 Meter hohen Wasserberg viel zu schnell hinunter rast.

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Marian Hund beim Rucking: Kraft und Ausdauer im Fokus.

Wenn Kitesurfen zum handfesten Abenteuer wird

 

Die Welle drückt dich dabei leicht gegen den ohnehin zu starken Wind, der Schirm ist bis zum Anschlag gedepowered, das Brett wird durch die steigende Geschwindigkeit unruhiger und du weißt ganz genau, dass stürzen keine Option ist. Das Ganze gleicht daher mehr einem Eiertanz als einem eleganten Wellenritt. Ich war gleichermaßen erleichtert und ergriffen von den neuen Erfahrungen, als ich wieder festen Untergrund unter den Füssen hatte.

 

In den nächsten Tagen boten sich noch weitere Möglichkeiten, die Wellen vor Mauritius zu shredden. Neben jeder Welle befindet sich für gewöhnlich ein „Channel“, in dem das Wasser der Welle wieder hinaus in den Ozean fließt. Logischerweise sollte man im Falle eines Schiffsbruchs möglichst nicht im wellenlosen Channel zurückschwimmen, sondern die Waschmaschine im Shorebreak nehmen, welche einen Richtung festen Untergrund spült.

 

Um jedoch nach Draußen zu kommen, empfiehlt sich der Channel als Förderband aufs offene Meer. Abseits des Shorebreaks kann man dann die beim Wellenritt verlorene Höhe wieder entspannt gewinnen. Wenn dann das nächste Wellenset einrollt, geht das ganze Abenteuer von vorne los.

Läuferin in voller Aktion beim Marathonlauf. Fokus auf Ausdauer und sportliche Leistung.
Haushohe Wellen bauen sich vor dir auf, das Brett wackelt, und die Knie werden weich – jetzt bloß nicht hinfallen!

Zu Beginn hatte ich definitiv Probleme, die guten Wellensets zu erkennen. So war es anfangs oftmals so, dass ich mir eine für mich vielversprechend aussehende Welle ausgesucht habe und diese sich ein paar Momente später im Nichts aufgelöst hat. Aber mit der Zeit bekommt man definitiv ein Gefühl dafür!

 

Eine gute Welle erkennt man weiter draußen bereits an einer gleichmäßigen Erhebung über die ganze Breite. Meistens kommen die Wellen dann immer im Set von zwei bis fünf Stück und zeichnen sich schon am Horizont ab. Dies bedeutet, dass man auch mal ein paar Minuten warten muss, bis das nächste Set kommt. Aber ich denke, dass gerade dies den Reiz des Kitens in der Welle ausmacht, denn das Geduldsspiel treibt die Vorfreude auf die nächste Welle ins schier Unendliche.

Konkurrenzkampf um die besten Wellen

 

Teilweise war die Welle vor Mauritius stark besucht, so habe ich zu Spitzenzeiten über zwanzig Kitesurfer und Windsurfer alleine in Manawa gezählt. Besonders in der Welle empfiehlt es sich, die bestehenden Vorfahrtsregeln einzuhalten, da ein Tangeln der Leinen oder ein Zusammenstoß im Shorebreak schlimme Folgen haben kann. Wer die Welle zuerst hat, dem gehört sie auch. Das Teilen der Welle ist mit einem erheblichen Sicherheitsrisiko verbunden und sollte unterlassen werden!

 

Wenn ich in früheren Interviews zum Thema Rivalität zwischen Windsurfern und Kitesurfern gefragt wurde, habe ich eigentlich immer von einem freundlichen und respektvollen Miteinander auf und abseits des Wassers erzählt. Nach meinen ersten wirklichen Erfahrungen in der Welle würde ich jedoch das erlebte Verhältnis eher mit Potential zum Positiven hin bewerten.

 

So landete ich beispielsweise gleich an einem meiner ersten Tage in Manawa mit einem Windsurfer zusammen vor der tobenden Gischt einer brechenden Welle und erntete wüste Beschimpfungen in Kombination mit einem Blick, der wahrscheinlich jedem Mafiaboss das Blut in den Adern gefrieren ließe.  Aber mit jedem weiteren Tag in den Wellen sammelte ich auch weitere Erfahrungen und konnte beobachten, dass die Windsurfer in den Wellen für gewöhnlich weniger agil und flexibel sind als die Kitesurfer.

Hinzu kommt, dass es beim Kiten nicht nur die begnadeten Supersportler in die Welle schaffen, sondern jeder etwas bessere Fahrer. Da sind beim Windsurfen die Welleneintrittsbarrieren definitiv höher.

 

Und wenn ein Windsurfer sich in mühevoller Kleinstarbeit von ganz weit draußen ein Set auserkoren und dieses viele hundert Meter Richtung Shorebreak begleitet hat, dann gehört die Welle ihm. Springt dann ein Kitesurfer parasitenhaft auf die sich bereits auftürmende Welle auf, kann ich die Wut des Windsurfers gut verstehen.

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Beim Kiten unbedingt die „Vorfahrtsregeln“ beachten: Wer die Welle zuerst hat, dem gehört sie auch!

Glaubensfrage: Kiten mit oder ohne Schlaufen?

 

Beim Brett gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Optionen. Entweder man fährt den Wellenreiter mit Schlaufen oder eben strapless. Schlaufen geben dem Fahrer logischerweise mehr Halt und Kontrolle, schränken aber die Fußpositionen auf dem Brett auf eine einzige Position ein. Ohne Schlaufen bleiben alle Möglichkeiten für die Position der Füße offen, wodurch sich viele Möglichkeiten für Spielereien und neue Variationen bieten. Meine Empfehlung ist definitiv strapless, allerdings sollte man damit im flachen Wasser vorher üben und vor jeder Session immer eine ordentliche Portion Wachs auf die Trittfläche des Boards reiben.

 

Eine Boardleash ist auf Binnenrevieren und Flachwasserspots extrem verpönt, in der Welle macht sie jedoch Sinn. Im Falle eines Sturzes wird dein Brett nämlich nicht von der Welle auf das scharfe und gefährliche Riff gespült, sondern bleibt an deinem Fuß hängen. Wenn eine größere Welle mal unvorhergesehen auf mich drauf gebrochen ist, half manchmal nur ein Kiteloop, um mich aus dem tobenden Weißwasser zu befreien. Dann habe ich stets einen Arm schützend um meinen Kopf gehalten, falls das Brett hinterher geflogen kommt.

STATEMENT

Auch wenn ich dafür auf den Kitesurf World Cup 2016 verzichten musste – die Reise nach Mauritius war es auf jeden Fall wert. Eine wahnsinnig tolle Insel mit erstklassigen Wellen!

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