Klettersteig in den Dolomiten: Tofana di Rozes zur Pfingst-Saison

Klettersteige zu Pfingsten: 7 Routen, die jetzt offen sind

Sonja Höslmeier, Redakteurin bei InspiredBySports

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Sonja Höslmeier

9 Min. Lesezeit

Pfingstsamstag, der erste lange Frühling-Sonnen-Block des Jahres und du suchst eine Route, die nicht auf 2.400 Metern noch Restschnee in den Trittsicherungen hat. Das ist die echte Frage: welche Klettersteige sind diese Woche tatsächlich frei, welche Hütten stehen offen und welche Lifte fahren bereits. Sieben Routen in Tirol, Südtirol, Bayern und der Schweiz sind dieses Wochenende belastbar dokumentiert offen. Mit Wetterhinweisen, Schwierigkeit und einem ehrlichen Blick auf die Tücke der Übergangssaison.

Kurzer Sprint

  • Tieflagen-Klettersteige in Tirol, Bayern und der Schweiz sind seit Ende April offen, höhere Dolomiten-Routen noch nicht.
  • Sieben Routen sind dieses Pfingstwochenende belastbar dokumentiert frei. Schwierigkeit A bis D, alle ohne Schnee in den Sicherungen.
  • Hütten-Status ist die wahre Frage zur Übergangssaison. Viele alpinen Schutzhütten öffnen erst zwischen Pfingsten und Mitte Juni.
  • 48 Stunden vor Tourstart Webcam, Tourismusverband und Hüttenwirt prüfen. Routen-Status ändert sich diese Saison im Stundentakt.
  • Lift-Anfahrten am Achensee und in der Rofan laufen seit 25. April im Sommerbetrieb. Galitzenklamm und Tegelberg sind die klassischen Mai-Auftakt-Wahlen.

 

Warum Pfingsten der ehrliche Saison-Start ist

Die Klettersteig-Saison wird gern als Mai-Phänomen verkauft. Tatsächlich öffnet die untere Etage bereits Ende April, während die berühmten Dolomiten-Klassiker zwischen 2.500 und 3.000 Metern oft bis weit in den Juni hinein Eis in den Sicherungen tragen. Pfingsten ist der Wendepunkt, an dem Tieflagen-Routen verlässlich begehbar sind und die ersten alpinen Hütten ihren Sommerbetrieb starten. Wer dieses Wochenende einsteigt, fährt nicht auf einen Saison-Hype, sondern auf den ersten ehrlich belastbaren Termin im Kalender.

Wer dieses Wochenende einsteigt, prüft drei Sachen am Freitagabend: die Frost-Grenze auf Bergfex oder Alpenvereinaktiv, die Webcam des Einstiegs und die Hütten-Status-Liste des zuständigen Tourismusverbands. Generell gilt für die Übergangssaison: Tirol und Bayern haben oft die ehrlichere Wetter-Lage als Südtirol, weil die südlichen Dolomiten früher in die Nachmittags-Quellbewölkung kommen. Tagestour mit Abstieg vor 14 Uhr ist im Mai keine Übervorsicht, sondern Standard.

7
Routen, die dieses Wochenende belastbar frei sind
25. Apr.
Achensee + Rofan im offiziellen Sommerbetrieb
48 Std.
Webcam-Check vor Tourstart Pflicht

Wer einsteigen will, sollte zwei Tage vor der Tour gegenchecken: aktuelle Webcam-Bilder vom Einstieg, Hütten-Telefonat, Wetterprognose mit Frost-Grenze. Die Tourismusverbände Tirol, Südtirol und Allgäu pflegen öffentliche Status-Listen für die populären Routen. Zusätzlich gilt: wer noch nie auf einer Via Ferrata stand, fängt nicht jetzt an, sondern macht erst einen Tag bei einem geprüften Bergführer. Unser Klettersteig-Einsteiger-Guide erklärt die Mindest-Ausrüstung und die ersten Sicherungsschritte im Detail.

 

Sieben Routen, die diese Woche garantiert offen sind

Die Auswahl ist konservativ. Jede der sieben Routen hat einen aktuellen Wartungs- oder Saisonöffnungs-Hinweis aus den letzten drei Wochen. Schwierigkeit nach Schall-Skala A bis E, Dauer ohne Zustieg gemessen. Wer ein höheres Limit sucht, wartet bis Mitte Juni auf die Dolomiten.

1. 5-Gipfel-Klettersteig Rofan, Tirol · B/C, 3 Std.
Sommerbetrieb der Rofanseilbahn läuft seit 25. April. Klassische Genuss-Tour mit Panorama über Achensee und Karwendel. Mauk-Hütte ist seit Mitte Mai offen, Einkehr garantiert. Tieflage bedeutet schneefreie Sicherungen, aber Vorsicht bei Nachmittagsgewitter.

2. Innsbrucker Klettersteig, Nordkette, Tirol · B/C, 4 Std.
Klassiker direkt oberhalb der Innsbrucker Hafelekarspitze. Hungerburgbahn und Seegrubenbahn sind seit Mai im Sommerbetrieb. Süd-exponiert und damit früh schneefrei. Lange Tour mit Bergstation als Komfort-Einstieg, daher auch für Einsteiger mit erfahrenem Partner gut machbar.

3. Mauerläufer, Galitzenklamm, Osttirol · B/C, 2 Std.
Der traditionelle Mai-Auftakt der Osttiroler. Komplett im Klamm-Bereich, daher früh schneefrei und auch bei wechselhaftem Wetter machbar. Familientauglich ab Kindern mit Klettersteig-Erfahrung. Gastronomie direkt am Parkplatz.

4. Pinut, Flims, Schweiz · B, 5 Std.
Ältester Klettersteig der Schweiz, komplett restauriert. Tieflage in den Flimser Wäldern, Pfingsten verlässlich offen. Lange Tour mit Zustieg, daher Frühstart Pflicht. Belohnung: kaum Andrang trotz Pfingsten.

5. Tegelberg, Allgäu, Bayern · C, 3 Std.
Klassischer Bayern-Auftakt. Tegelbergbahn fährt seit Mitte April, Route Süd-exponiert und damit früh trocken. An Pfingsten gut besucht, früher Liftstart hilft. Tegelberghaus seit Mai offen.

6. Salewa Cube Sky Walk, Bozen, Südtirol · A/B, 1 Std.
Künstliche Hochstruktur am Salewa Headquarter, ganzjährig offen. Perfekt für einen kurzen Pfingst-Samstag-Block bei wechselhafter Bergwetter-Lage. Nicht alpin, aber technisch sauber und ideal als Aufwärmer für die Saison.

7. Schwarzwand, Steinplatte, Tirol · C/D, 4 Std.
Anspruchsvoller Steig auf 1.800 Metern, durch südseitige Exposition früh schneefrei. Für erfahrene Klettersteig-Geher, die etwas Saft brauchen. Steinplatten-Hütte öffnet zu Pfingsten, Einkehr nach Tourende.

 

Was du dieses Wochenende konkret prüfen musst

Die größte Tücke der Übergangssaison liegt nicht an der Route, sondern am Drumherum. Eine Via Ferrata kann offen und schneefrei sein, während die zugehörige Hütte noch geschlossen, der Zustiegspfad teilweise vereist oder die Seilbahn nur am Wochenende in Betrieb ist. Drei Punkte gehören in jede ehrliche Tourplanung dieses Wochenendes.

Erstens: Hütten-Status. Viele alpine Schutzhütten öffnen erst zwischen Pfingsten und Mitte Juni. Eine Tour, die mit „Einkehr in der Hütte XY“ geplant ist, wird zur Plage, wenn die Hütte erst übernächstes Wochenende öffnet. Vor Abfahrt anrufen, nicht nur die Website prüfen. Der Hüttenwirt weiß, ob er morgen Brotzeit verkauft oder nur Tee.

Zweitens: Frost-Grenze. Eine prognostizierte Frost-Grenze über 2.200 Metern bedeutet nicht, dass die Sicherungen oberhalb 1.800 Metern eisfrei sind. Schatten-Passagen halten Eis und Resteschnee deutlich länger als Süd-Exponierungen. Auf der Schwarzwand-Steinplatte gibt es 50 Meter Nord-Querung, die zu Pfingsten in manchen Jahren noch verharschten Schnee hat. Webcam-Bilder vom Einstieg sagen mehr als jede generelle Prognose.

Drittens: Gewitter-Fenster. Mai- und Pfingst-Tage haben die berüchtigten frühen Hitzegewitter, oft schon ab 13 Uhr. Eine Tour, die du nicht spätestens um 14 Uhr aus der Drahtsicherung holen kannst, gehört verschoben. Früher Start, früher Abstieg, kein Plan B im Drahtseil bei aufziehender Front.

 

Drei Fehler, die die erste Saison-Tour killen

Wer zur Übergangssaison zum ersten Mal des Jahres in eine Via Ferrata einsteigt, macht oft die gleichen drei Fehler. Sie haben nichts mit Kondition und auch wenig mit Technik zu tun, sondern mit Erwartungs-Management an die Bedingungen vor Ort.

Der erste Fehler: Eine Route wählen, die im Hochsommer perfekt funktioniert, ohne zu prüfen, ob sie zu Pfingsten überhaupt im Gleichgewicht ist. Eine Dolomiten-Klassik wie die Cesare Piazzetta auf der Sella ist Anfang August Stoff für eine Bucket-List-Tour, zu Pfingsten oft ein Resteschnee-Albtraum mit nasser Felsplatte und steigender Lawinengefahr. Der Reisebericht aus dem Vorjahr verrät dir nicht den aktuellen Stand.

Der zweite Fehler: Material-Check schleifen lassen. Klettersteig-Set, Helm und Gurt liegen acht Monate im Keller. Vor der ersten Tour aufs Sofa, jedes Teil einzeln auf Risse, Verschleiß und Korrosion prüfen. Wichtig: Sets, die vor Oktober 2017 gekauft wurden, fallen unter die alte Norm EN 958. Die überarbeitete Fassung 2017 verschärfte die Bandfalldämpfer-Anforderungen für leichtere Personen unter 50 Kilogramm. Wer ein älteres Set besitzt, lässt im Zweifel den lokalen Alpinhändler oder den DAV-Materialwart prüfen. Der DAV hat dazu eine ausführliche Material-Checkliste veröffentlicht.

Der dritte Fehler: Den Übergang zwischen den Disziplinen unterschätzen. Wer im Winter gebouldert und im Frühjahr Kraulen trainiert hat, ist nicht automatisch bereit für vier Stunden in der Drahtsicherung mit Helm und Gurt. Der spezifische Kraft-Ausdauer-Aufbau für Klettersteig läuft anders als für reines Sportklettern, was unser Vergleich zwischen Trad und Sport Climbing auseinanderzieht. Drei Tage vor der Tour eine längere Wanderung mit Höhenmetern, das ist die ehrliche Vorbereitung.

Cool-down

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Welche Pfingst-Route ist Anfänger-tauglich?
Mauerläufer in der Galitzenklamm und der Sky Walk am Salewa Cube sind die ehrlichen Anfänger-Optionen für dieses Wochenende. Beide kurz, beide mit geprüfter Infrastruktur, beide ohne alpinen Anspruch. Für die erste echte alpine Tour empfehlen wir trotzdem einen Tag mit Bergführer, gerade in der Übergangssaison mit ihrer Wetter-Tücke.
Warum sind die Dolomiten-Klassiker noch nicht offen?
Routen wie die Cesare Piazzetta, Tridentina oder Pisciadù liegen zwischen 2.500 und 3.000 Metern. Auf dieser Höhe liegt Anfang Mai oft noch ein halber Meter Restschnee in den Drahtsicherungen und Trittstiften. Im Schatten halten sich Eis-Reste oft bis Mitte Juni. Dazu kommen Lawinen-Reste an den Zustiegen, die selbst bei Sonne nur langsam abschmelzen. Pfingsten ist für die hochalpinen Klassiker in einem normalen Jahr drei bis vier Wochen zu früh.
Wann öffnen die alpinen Schutzhütten?
Die Bandbreite ist groß. Viele tieflagige Hütten am Achensee, in der Rofan oder im Allgäu sind seit Mitte Mai offen. Alpine Schutzhütten zwischen 2.000 und 2.500 Metern öffnen meist zwischen Pfingsten und Mitte Juni, hochalpine Hütten oberhalb 2.500 Metern oft erst Ende Juni. Die DAV-Hüttensuche und die AVS-Liste für Südtirol haben aktuelle Öffnungs-Daten. Vor der Tour anrufen, denn Webseiten werden oft langsamer aktualisiert als der Wirt vor Ort entscheidet.
Welches Material muss ich vor der ersten Saison-Tour erneuern?
Klettersteig-Sets ab Baujahr vor 2017 prüfen, ob sie der überarbeiteten Norm EN 958 entsprechen. Bandschlingen mit erkennbaren Scheuerstellen oder UV-bedingter Verfärbung austauschen. Karabiner auf Schließdruck und Verschluss-Funktion testen. Helm auf Risse prüfen, Gurt-Schnallen auf Funktion. Wer unsicher ist, bringt das Material zum lokalen Alpinhändler oder lässt es vom DAV-Materialwart anschauen.
Was tun, wenn auf der Tour das Wetter kippt?
Erste Regel: Drahtseil verlassen, sobald Blitzaktivität in der Nähe sichtbar wird. Metall in der Hand bei Gewitter ist die schlechteste Kombination. Wenn kein direkter Abstieg möglich ist, raus aus den exponierten Stellen und in eine geschützte Felsspalte oder Wandnische. Notruf 112 funktioniert in den Alpen auch ohne Empfang über das Notruf-Protokoll. Helm anlassen. Solange ein Gewitter dauert, nicht in die Sicherung zurück.


Quelle Titelbild: Pexels / Jędrzej Koralewski (px:16889211)

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