Zwei Athleten trainieren gemeinsam mit Medizinbällen, Doubles-Partner-Workout im Studio

HYROX Doubles in Tempelhof: Was Paare aus dem laufenden Saison-Finale für ihre nächste Anmeldung mitnehmen

7 Min. Lesezeit

In Tempelhof rennen gerade Paar-Teams ihre achten 1000-Meter-Splits, und die Sekunden, die manche verlieren, sind nicht im Burpee-Broad-Jump weg, sondern an der Wechsel-Linie. Das laufende Saison-Finale ist die letzte große DACH-Bühne, bevor der HYROX-Kalender im September wieder öffnet. Wer dieses Wochenende zuschaut, sieht in komprimierter Form, was Doubles-Teams über zwölf Wochen Vorbereitung anders machen müssen als Solo-Athleten. Die Disziplin ist nicht einfach halbiert, sie ist anders gebaut, und genau das ist der Punkt, an dem die meisten Paare bei der nächsten Anmeldung Zeit liegen lassen.

Kurzer Sprint

  • Beide Athleten laufen die vollen acht Kilometer. Die acht 1000-Meter-Runs sind nicht teilbar, jeder bekommt die volle Laufstrecke.
  • Splits auf den Stationen sind frei wählbar. 50/50 ist Startpunkt, 70/30 bei Sled Push oder Wall Balls oft schneller.
  • Wer rein läuft, ist nicht egal. Wenn der schnellere Läufer die Station beendet, geht der langsamere frischer in den nächsten Lauf.
  • Der Wechsel selbst kostet Zeit. Saubere Übergaben sind eine eigene Disziplin und werden zu selten trainiert.
  • Der nächste Anmelde-Slot öffnet im September. Wer jetzt anfängt zu planen, hat zwölf bis sechzehn Wochen sauberer Vorbereitung.

Was Doubles im Tempelhof gerade anders machen als Solos

Wer zum ersten Mal eine Doubles-Heat anschaut, denkt zunächst, das sei einfach HYROX mit Pause. Es ist das Gegenteil. In der Doubles-Disziplin laufen beide Athleten die kompletten acht Kilometer, also die volle Laufdistanz von acht mal 1000 Metern. Geteilt wird ausschließlich die Arbeit an den acht funktionalen Stationen. Das bedeutet: Wer in einem Doubles-Team mit der Idee antritt, durch die Arbeitsteilung weniger laufen zu müssen, hat die Disziplin falsch verstanden.

Das macht den Sport taktisch reicher als die Solo-Disziplin. Solo-Athleten haben einen Plan und arbeiten ihn ab. Doubles-Teams haben einen Plan, zwei Tagesformen und drei Wechsel-Linien, die unter Belastung funktionieren müssen. In den Heats des Tempelhof-Wochenendes sieht man genau diese Differenz: Ein Team mit gleich starkem Wall-Ball-Pacing verliert keine Sekunden, weil beide im 25er-Rhythmus rein- und rauswechseln. Ein anderes Paar mit einem Star-Läufer und einer Athletin mit starker Oberkörper-Endurance bleibt vorne, weil sie ihre Stärken in 70/30-Splits an den richtigen Stationen einsetzen.

Das laufende Saison-Finale ist deshalb ein Lehrstück. Es zeigt nicht, wer am fittesten ist. Es zeigt, welche Paare ihre Heterogenität in Sekunden umgesetzt haben.

Wie acht Stationen zwischen zwei Athleten aufteilen

Die acht HYROX-Stationen folgen einer festen Reihenfolge: SkiErg, Sled Push, Sled Pull, Burpee Broad Jumps, Rowing, Farmers Carry, Sandbag Lunges, Wall Balls. Jede lässt sich frei zwischen den Partnern aufteilen. Aber nicht jede gibt dir den gleichen Effizienz-Hebel.

Acht Stationen, drei Split-Typen

SkiErg + Rowing. Geräte-Splits sind die einfachsten. 50/50 funktioniert für fast jedes Paar, weil keine schwere Last und keine Technik-Drift im Wechsel liegt. Wechsel-Linie: einfach Hand vom Griff, Partner übernimmt.
Sled Push + Sled Pull. Schwere Last, kurze Distanz. Hier zahlt sich Asymmetrie aus. Der stärkere Athlet übernimmt 60-70 Prozent der Schiebe-Meter, der andere übernimmt am Ende der Station, damit er für den nächsten Lauf nicht voll im Roten ist.
Burpees + Wall Balls + Sandbag Lunges. Hohe Reps, technik-sensibel. Hier ist Rhythmus-Diktat wichtiger als Kraft. 25-50-Rep-Wechsel statt 100/0, weil keiner fällt unter Ermüdung ins Technik-Loch.
Farmers Carry. Die unauffälligste Station und die mit dem größten Unterschied zwischen sauberem Wechsel und Pendel-Chaos. Wer hier 60/40 zugunsten des starken Greifers läuft, gewinnt zehn bis fünfzehn Sekunden.

Wer in der Vorbereitung nicht weiß, welche Splits er an welcher Station fährt, plant blind. Die Faustregel: erst zweimal komplett 50/50 simulieren, dann zwei Stationen identifizieren, an denen ein Partner deutlich besser ist, dort auf 60/40 oder 70/30 verschieben. Das ist kein optimaler Plan, das ist ein guter Startplan. Optimiert wird in den letzten vier Wochen vor dem Rennen.

Wo Solo schlägt und wo Paare den Vorteil holen

Doubles ist nicht der einfachere Einstieg in HYROX. Es ist ein anderer Sport. Wer sich anmeldet, sollte verstehen, was sich gegenüber der Solo-Disziplin verschiebt.

Was Doubles besser kann

  • Kürzere Belastungsspitzen. Keiner geht 100 Wall Balls am Stück.
  • Strategische Tiefe. Splits, Wechsel, Tagesform fließen ein.
  • Mentale Stütze. Zwischen Run sieben und acht hilft eine zweite Stimme.
  • Heterogene Athleten finden Platz. Lauf-Schwacher mit Kraft-Maximum bleibt konkurrenzfähig.

Was Solo besser kann

  • Voller Output an einer Station. Kein Wechsel-Overhead.
  • Eigener Rhythmus. Keine Sekunde Abstimmung während des Rennens.
  • Trainings-Planung. Niemand verschiebt deine Sessions.
  • Klarere Erfolgsmessung. Dein Split ist dein Split, ohne Partner-Variable.

Die häufigste Fehleinschätzung: Paare melden sich an, weil ein Partner Angst vor der vollen Distanz hat. Das Problem löst sich in Doubles nicht, denn beide laufen die vollen acht Kilometer. Wer die Laufstrecke fürchtet, sollte zuerst die Laufbasis bauen, nicht den Partner suchen.

Zwölf Wochen Vorlauf, wenn die Doubles-Anmeldung im Herbst öffnet

Der DACH-Kalender 2026/27 startet im September und Oktober mit den klassischen Stops in München und Hamburg. Wer nach dem Tempelhof-Wochenende beschließt, die nächste Saison als Paar zu fahren, hat genug Zeit für eine saubere Vorbereitung. Ein realistischer Block sieht ungefähr so aus:

Woche 1-2: Baseline-Test. Beide laufen einen Solo-Mock auf einer Indoor-Strecke oder im Stadion, drei Stationen ersetzbar durch Heim-Equivalente. Ziel ist nicht die Zeit, sondern die ehrliche Daten-Grundlage: Wer ist wo wie viel stärker.

Woche 3-6: Lauf-Volumen. Drei Laufeinheiten pro Woche, davon eine als Tempo-Intervall über 1000 Meter (HYROX-Distanz), eine als Long-Run über 10-12 Kilometer, eine als lockerer Z2-Lauf. Hier ist Disziplin wichtiger als Kreativität.

Woche 7-9: Partner-Sessions. Mindestens einmal pro Woche zusammen trainieren, dabei You-Go-I-Go-Drills an den Hauptstationen. Wall Balls 25/25, Sled Push 30 Meter/30 Meter, Burpees 10/10. Wechsel-Kommunikation antrainieren.

Woche 10-11: Race-Pace-Mocks. Ein voller Doubles-Mock, idealerweise im Studio mit dem echten Equipment. Splits und Wechsel-Linien festlegen, danach ein zweiter Mock mit Anpassungen. Hier wird über Sekunden entschieden, die im echten Rennen verloren oder gewonnen werden.

Woche 12: Taper plus Race. Volumen halbieren, Intensität halten, drei Tage vor dem Rennen letzte lockere Einheit, dann ausruhen. Am Renntag steht der Plan, jetzt geht es nur noch darum, ihn sauber abzuarbeiten.

Der Block ist eine Skizze, kein Dogma. Wer schon ein Solo-HYROX gelaufen ist, kann die Lauf-Basis komprimieren und mehr Zeit auf Partner-Sessions geben. Wer ganz neu einsteigt, sollte die Basis verlängern und die ersten zehn Wochen mehr Lauf-Volumen einplanen, bevor die Wechsel-Drills dazukommen.

Was du dir aus Tempelhof mitnehmen kannst, wenn du nicht selbst antrittst

Auch wer nicht angemeldet ist, kann das laufende Wochenende als kostenlosen Trainings-Anschauungsunterricht nehmen. Die Live-Streams von HYROX zeigen Heats aus verschiedenen Leistungsklassen, vom Open über Pro bis zu den Elite-Doubles. Drei Dinge sind dort sichtbar, die kein Trainingsplan vermittelt.

Erstens: Wie professionelle Doubles-Teams kommunizieren. Wenig Worte, klare Zeichen, niemand schreit. Das ist nicht Zufall, das ist Trainingseffekt aus dutzenden Race-Pace-Mocks. Zweitens: Wie sich Heterogenität auflöst. Ein Team mit ungleichen Athleten zeigt die Splits, die ein gleich starkes Paar nicht braucht. Drittens: Wo Solos und Doubles in die gleichen Fallen laufen. Pacing-Fehler in den ersten drei Runs, zu schwerer Sled-Push, technik-zerfallene Wall Balls in der letzten Station.

Wer das beobachtet und notiert, hat einen Vorteil gegenüber jedem, der nur seinen eigenen Trainingsplan abarbeitet. Tempelhof ist diese Woche kostenlose Race-Intelligence. Du musst nur hinschauen.

Cool-down

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Müssen wir die Laufstrecke wirklich beide voll laufen?
Ja. In der Doubles-Disziplin laufen beide Athleten alle acht Mal 1000 Meter. Geteilt wird ausschließlich die Stationsarbeit. Wer eine kürzere Laufstrecke sucht, ist im Relay-Format besser aufgehoben, das HYROX aber nicht in der klassischen Doubles-Form anbietet.
Wie oft sollten wir vor dem Rennen zusammen trainieren?
Mindestens einmal pro Woche in den letzten sechs bis acht Wochen vor dem Rennen, idealerweise mit dem echten Equipment in einem Studio, das HYROX-Stationen anbietet. Wer nur einzeln trainiert und am Renntag das erste Mal die Wechsel ausprobiert, verliert dort Sekunden, die nicht mehr aufzuholen sind.
Was ist der typische Split bei Wall Balls in Doubles?
Die meisten Paare arbeiten in 25-25-25-25 oder 50-50 Blöcken. 100/0 funktioniert nur für Elite-Teams mit sehr ungleichen Profilen, wenn ein Partner Wall Balls als Lieblingsstation hat und der andere fast nichts beisteuern muss. Für Open- und Pro-Teams sind 25er-Wechsel der sichere Startpunkt.
Lohnt sich Doubles für ein Paar mit großem Niveauunterschied?
Ja, oft mehr als Solo. Doubles erlaubt asymmetrische Splits, dadurch kann der stärkere Athlet bis zu 70 Prozent einer Station übernehmen, ohne dass das Team langsamer wird. Voraussetzung: Beide bringen die Lauf-Basis mit, denn die ist nicht teilbar. Lauf-Schwacher mit starker Kraftbasis ist eine bessere Doubles-Paarung als zwei mittelmäßige Läufer.
Wann ist die nächste DACH-Doubles-Anmeldung?
Die Tour 2026/27 startet im September und Oktober mit den klassischen Stops in München und Hamburg, weitere Termine für Berlin, Wien und Köln werden über den Sommer schrittweise freigegeben. Wer Doubles fahren will, sollte beim Anmelde-Start beide Plätze gleichzeitig sichern, denn die Slots gehen in den größeren Städten innerhalb von Tagen weg.

Quelle Titelbild: Pexels / Ketut Subiyanto (px:4853940)

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