Freediver unter Wasser

Freediving: Dein Tiefenrekord auf einen Atemzug knacken


Elias Kollböck - Redakteur InspiredBySports

AUTOR:

Elias Kollböck

6 Min. Lesezeit

Stell dir vor, du tauchst ab. Kein Tank auf dem Rücken, kein Atemregler im Mund. Nur du, deine Lungen und das Meer. 10 Meter, 20 Meter, 30 Meter. Um dich herum wird es still. Dein Puls sinkt. Dein Körper schaltet in einen Modus, den du an Land nie erlebst. Freediving ist der Sport, bei dem weniger Ausrüstung mehr Erlebnis bedeutet.

Kurzer Sprint

  • Freediving trainiert Atemkontrolle, mentale Stärke und Körperbewusstsein. Kein anderer Sport kommt dem nahe.
  • Der Tauchreflex senkt deinen Puls automatisch um bis zu 25 %. Dein Körper ist fürs Tauchen gemacht.
  • Anfänger erreichen nach einem Wochenendkurs bereits 10-15 Meter Tiefe auf einen Atemzug.
  • Sicherheit geht vor: Nie alleine tauchen. Ein Buddy ist Pflicht, Kurse bei zertifizierten Schulen starten ab 200 Euro.
  • Die Freediving-Community in Deutschland wächst rasant. Indoor-Pools und Seen bieten ganzjährig Trainingsmöglichkeiten.

 

Was beim Abtauchen passiert: Der Tauchreflex

Sobald dein Gesicht kaltes Wasser berührt, aktiviert sich der Tauchreflex. Ein evolutionäres Überbleibsel, das bei jedem Menschen funktioniert. Dein Puls sinkt um bis zu 25 Prozent, die Blutgefäße in Armen und Beinen verengen sich, und das Blut wird in den Körperkern umgeleitet. Dein Körper optimiert den Sauerstoffverbrauch automatisch.

Ab 10 Metern Tiefe beginnt der Druck zu arbeiten. Deine Lungen komprimieren sich, das Residualvolumen sinkt. Bei 30 Metern sind deine Lungen auf ein Drittel ihres Volumens geschrumpft. Das fühlt sich nicht unangenehm an, eher wie eine feste Umarmung. Und genau hier wird Freediving meditativ: du hörst deinen Herzschlag, sonst nichts.

214 m
Weltrekord Tieftauchen auf einen Atemzug (Herbert Nitsch)
-25 %
Pulsreduktion durch den menschlichen Tauchreflex
4-6 Min.
durchschnittliche Atemanhaltezeit trainierter Freediver

 

Sicher anfangen: Dein erster Kurs

AIDA- oder SSI-Kurs (Level 1): Ein Wochenende, 200-350 Euro. Du lernst Atemtechniken, Druckausgleich, Sicherheitszeichen und machst deine ersten Tauchgänge auf 10-15 Meter. Die meisten Schulen bieten Pool-Sessions und Freiwasser-Tauchgänge an.

Was du brauchst: Badeanzug oder Neopren (je nach Wassertemperatur), Maske, Schnorchel, Flossen. Alles wird im Kurs gestellt. Eigene Ausrüstung ab 150 Euro (Maske + Flossen). Kein teures Equipment nötig.

Die wichtigste Regel: Nie alleine tauchen. Immer mit Buddy. Blackout unter Wasser passiert ohne Vorwarnung. Das ist kein Risiko das du kontrollieren kannst, aber eines das ein Buddy sofort erkennt. Wer parallel an seiner Grundlagenausdauer arbeitet, hat auch unter Wasser mehr Reserven.

 

Freediving in Deutschland: Wo du trainieren kannst

Indoor: Die Tauchturm-Szene wächst. Monte Mare (Rheinbach, 10m), Dive4Life (Siegburg, 20m) und der Gasometer in Duisburg bieten ganzjährig kontrollierte Bedingungen. Perfekt für Techniktraining im Winter.

Seen: Bodensee, Attersee (Österreich), Kulkwitzer See bei Leipzig. Im Sommer ab 5 Meter Tiefe angenehm kühl, klare Sicht. Die meisten deutschen Freediving-Clubs trainieren an Seen.

Meer: Für den nächsten Schritt. Ägypten (Dahab ist die Freediving-Hauptstadt der Welt), Kroatien, Griechenland. Hier werden Tiefen jenseits von 30 Metern möglich. Wer Kältetraining gewohnt ist, hat beim Freiwasser-Einstieg weniger Probleme.

 

Training an Land: Atemtechnik und mentale Stärke

Atemanhalten (statische Apnoe): Setz dich bequem hin, atme 2 Minuten ruhig, dann halte die Luft an. Anfänger schaffen 1-2 Minuten. Nach ein paar Wochen Training: 3-4 Minuten. Das Training funktioniert überall, auch im Büro. Aber: nie im Wasser ohne Aufsicht.

CO2-Toleranz-Training: Wiederholtes Atemanhalten mit kurzen Pausen dazwischen (z.B. 8x 1 Minute halten, 30 Sekunden Pause). Das trainiert deinen Körper, mit dem CO2-Anstieg umzugehen, der den Atemreiz auslöst.

Mentales Training: Freediving ist 70 % Kopfsache. Visualisierung, Meditation und Body-Scan-Übungen helfen, Panik unter Wasser zu kontrollieren. Viele Freediver nutzen Yoga und Atemübungen als Grundlage.

„Freediving ist der einzige Sport bei dem du umso besser wirst, je weniger du tust. Weniger Bewegung, weniger Gedanken, weniger Sauerstoffverbrauch.“
Umberto Pelizzari, Freediving-Legende und Weltrekordhalter

Pro-Tipp: Übe den Druckausgleich (Frenzel-Manöver) zuerst trocken, bevor du ins Wasser gehst. An Land kannst du die Technik entspannt lernen. Unter Wasser mit Stress ist es zehnmal schwerer.

 

Cool-down

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Ist Freediving gefährlich?
Mit der richtigen Ausbildung und einem Buddy: nein. Die meisten Unfälle passieren bei Solotraining oder durch Überschätzung. Ein zertifizierter Kurs und die Buddy-Regel machen Freediving sicherer als viele andere Wassersportarten.
Wie tief kann ein Anfänger tauchen?
Nach einem Wochenendkurs erreichst du 10-15 Meter. Nach einigen Monaten regelmäßigem Training: 20-30 Meter. Die meisten Freizeit-Freediver tauchen zwischen 15 und 40 Metern.
Brauche ich einen Tauchschein?
Nicht gesetzlich, aber dringend empfohlen. AIDA- oder SSI-Kurse lehren Sicherheitstechniken die lebensrettend sein können. Ohne Kurs fehlt das Wissen über Druckausgleich und Blackout-Prävention.
Kann ich als Nichtschwimmer Freediving lernen?
Nein. Sicheres Schwimmen ist Voraussetzung. Du musst dich im Wasser wohlfühlen und mindestens 200 Meter am Stück schwimmen können. Erst Schwimmen lernen, dann Freediving.
Was kostet der Einstieg?
Ein Anfängerkurs kostet 200-350 Euro. Eigene Ausrüstung (Maske, Flossen, Schnorchel) ab 150 Euro. Neopren ab 100 Euro. Insgesamt unter 500 Euro für den kompletten Einstieg.

Quelle Titelbild: Pexels / John Cahil Rom

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