Freediving: Dein Tiefenrekord auf einen Atemzug knacken

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Stell dir vor, du tauchst ab. Kein Tank auf dem Rücken, kein Atemregler im Mund. Nur du, deine Lungen und das Meer. 10 Meter, 20 Meter, 30 Meter. Um dich herum wird es still. Dein Puls sinkt. Dein Körper schaltet in einen Modus, den du an Land nie erlebst. Freediving ist der Sport, bei dem weniger Ausrüstung mehr Erlebnis bedeutet.
Was beim Abtauchen passiert: Der Tauchreflex
Sobald dein Gesicht kaltes Wasser berührt, aktiviert sich der Tauchreflex. Ein evolutionäres Überbleibsel, das bei jedem Menschen funktioniert. Dein Puls sinkt um bis zu 25 Prozent, die Blutgefäße in Armen und Beinen verengen sich, und das Blut wird in den Körperkern umgeleitet. Dein Körper optimiert den Sauerstoffverbrauch automatisch.
Ab 10 Metern Tiefe beginnt der Druck zu arbeiten. Deine Lungen komprimieren sich, das Residualvolumen sinkt. Bei 30 Metern sind deine Lungen auf ein Drittel ihres Volumens geschrumpft. Das fühlt sich nicht unangenehm an, eher wie eine feste Umarmung. Und genau hier wird Freediving meditativ: du hörst deinen Herzschlag, sonst nichts.
Sicher anfangen: Dein erster Kurs
AIDA- oder SSI-Kurs (Level 1): Ein Wochenende, 200-350 Euro. Du lernst Atemtechniken, Druckausgleich, Sicherheitszeichen und machst deine ersten Tauchgänge auf 10-15 Meter. Die meisten Schulen bieten Pool-Sessions und Freiwasser-Tauchgänge an.
Was du brauchst: Badeanzug oder Neopren (je nach Wassertemperatur), Maske, Schnorchel, Flossen. Alles wird im Kurs gestellt. Eigene Ausrüstung ab 150 Euro (Maske + Flossen). Kein teures Equipment nötig.
Die wichtigste Regel: Nie alleine tauchen. Immer mit Buddy. Blackout unter Wasser passiert ohne Vorwarnung. Das ist kein Risiko das du kontrollieren kannst, aber eines das ein Buddy sofort erkennt. Wer parallel an seiner Grundlagenausdauer arbeitet, hat auch unter Wasser mehr Reserven.
Freediving in Deutschland: Wo du trainieren kannst
Indoor: Die Tauchturm-Szene wächst. Monte Mare (Rheinbach, 10m), Dive4Life (Siegburg, 20m) und der Gasometer in Duisburg bieten ganzjährig kontrollierte Bedingungen. Perfekt für Techniktraining im Winter.
Seen: Bodensee, Attersee (Österreich), Kulkwitzer See bei Leipzig. Im Sommer ab 5 Meter Tiefe angenehm kühl, klare Sicht. Die meisten deutschen Freediving-Clubs trainieren an Seen.
Meer: Für den nächsten Schritt. Ägypten (Dahab ist die Freediving-Hauptstadt der Welt), Kroatien, Griechenland. Hier werden Tiefen jenseits von 30 Metern möglich. Wer Kältetraining gewohnt ist, hat beim Freiwasser-Einstieg weniger Probleme.
Training an Land: Atemtechnik und mentale Stärke
Atemanhalten (statische Apnoe): Setz dich bequem hin, atme 2 Minuten ruhig, dann halte die Luft an. Anfänger schaffen 1-2 Minuten. Nach ein paar Wochen Training: 3-4 Minuten. Das Training funktioniert überall, auch im Büro. Aber: nie im Wasser ohne Aufsicht.
CO2-Toleranz-Training: Wiederholtes Atemanhalten mit kurzen Pausen dazwischen (z.B. 8x 1 Minute halten, 30 Sekunden Pause). Das trainiert deinen Körper, mit dem CO2-Anstieg umzugehen, der den Atemreiz auslöst.
Mentales Training: Freediving ist 70 % Kopfsache. Visualisierung, Meditation und Body-Scan-Übungen helfen, Panik unter Wasser zu kontrollieren. Viele Freediver nutzen Yoga und Atemübungen als Grundlage.
„Freediving ist der einzige Sport bei dem du umso besser wirst, je weniger du tust. Weniger Bewegung, weniger Gedanken, weniger Sauerstoffverbrauch.“
Umberto Pelizzari, Freediving-Legende und Weltrekordhalter
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Quelle Titelbild: Pexels / John Cahil Rom
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