Klettersteig für Einsteiger: Die erste Via Ferrata sicher angehen

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Eine Eisenleiter, ein Stahlseil, hundert Meter Luft unter den Schuhen. Klettersteige machen Felswände begehbar, für die man sonst jahrelang klettern lernen müsste. Genau das ist ihr Reiz und ihre Falle zugleich: Es sieht aus wie Wandern mit Helm, ist aber alpines Gelände mit eigenen Regeln. Wer die kennt, erlebt einen der schönsten Einstiege in die Vertikale. Wer sie ignoriert, bringt sich in echte Gefahr. Es liegt komplett an der Vorbereitung.
Warum ein Klettersteig kein Wanderweg ist
Ich gebe zu, beim ersten Mal habe ich den Unterschied unterschätzt. Ein Klettersteig, auf Italienisch Via Ferrata, also Eisenweg, ist eine Route durch steiles Felsgelände, die mit einem durchgehenden Stahlseil und Eisenelementen wie Klammern, Tritten und Leitern versichert ist. Das Seil ist deine Lebensader, an ihm sicherst du dich mit dem Klettersteigset. Klingt simpel, und das ist der Punkt: Es senkt die Einstiegshürde so weit, dass plötzlich Gelände machbar wird, das ohne diese Hilfen reines Klettern wäre.
Genau diese Zugänglichkeit verführt zur Sorglosigkeit. Es fühlt sich anfangs an wie eine Mischung aus Wandern und Klettern, aber das Risiko ist ein alpines. Steinschlag, Wetterstürze, Erschöpfung in der Wand und ausgesetzte Stellen, an denen ein Fehler nicht verziehen wird. Wer das im Kopf hat, geht mit dem richtigen Respekt an die Sache, ohne sich verrückt zu machen.
Der Lohn ist enorm. Du stehst nach ein paar Stunden an einem Punkt, den du dir zu Fuß nie erschlossen hättest, und der Weg dorthin ist ein durchgehendes, körperliches Erlebnis. Für viele ist der Klettersteig die Brücke vom Wandern zum echten Bergsport. Du brauchst nur das richtige Setup und einen ehrlichen Blick auf dein Können.
Die Ausrüstung, die wirklich zählt
Beim Material gibt es wenig Spielraum, und das ist gut so. Das Herzstück ist das Klettersteigset: ein Bandfalldämpfer, von dem zwei elastische Arme in Y-Form abgehen, an deren Enden je ein großer Klettersteigkarabiner sitzt. Stürzt du, reißt der Bandfalldämpfer kontrolliert auf und bremst den Fall ab, statt dass die volle Wucht auf deinen Körper schlägt. Achte beim Kauf zwingend darauf, dass das Set der aktuellen Norm EN 958 in der Fassung von 2017 entspricht. Ältere Sets können bei leichten Personen anders auslösen.
Dazu kommt der Klettergurt, in den das Set eingebunden wird, und der Helm. Den Helm lässt niemand weg, der schon mal einen Stein hat fallen hören. Er schützt vor Steinschlag durch Vorausgehende und vor dem Anschlagen am Fels, wenn du mal abrutschst. Gute Handschuhe sparen dir aufgeschürfte Hände am Stahlseil, und feste Zustiegs- oder Bergschuhe mit ordentlichem Profil sind Pflicht. Alles Weitere ist Komfort, kein Sicherheitsfaktor.
Ein ehrliches Wort zum Leihen: Für die ersten Versuche ist ein Verleihset völlig in Ordnung, solange es modern und geprüft ist. Wer dranbleibt, kauft sich schnell ein eigenes, weil ein vertrautes Set am Fels Sicherheit gibt. Aber starte lieber mit geliehenem, gutem Material als mit gekauftem, veraltetem.
So gehst du deine erste Via Ferrata an
Die wichtigste technische Regel zuerst, weil sie über Leben entscheidet: Beim Weitergehen hängst du immer abwechselnd um, niemals beide Karabiner gleichzeitig. Einer bleibt immer am Seil, während der andere die nächste Verankerung übersteigt. So bist du in jeder Sekunde gesichert. Und halte dich am Stahlseil oder an den Klammern fest, nicht am Set. Stürzen ist am Klettersteig nicht vorgesehen, die Ausrüstung ist die Rückversicherung, nicht der Plan.
Am Klettersteig ist Stürzen nicht vorgesehen, der ganze Sinn der Ausrüstung ist, dass es gar nicht erst so weit kommt.
Für die Tourenwahl gilt: Fang klein an. Ein kurzer A- oder B-Steig mit gutem Zustieg ist der perfekte Einstieg, ein C-Steig hat für einen echten Anfänger nichts verloren. Plane vorher Länge, Schlüsselstellen, Zu- und Abstieg sowie das Wetter. Im Fels willst du keine Überraschungen. Halte außerdem Abstand zu anderen, im flachen Teil ein Kletterer pro Sicherungsabschnitt, im Steilen zwei, weil ein Stürzender noch ein Stück tiefer rutscht.
Und der ehrlichste Tipp von allen: Wenn du dir unsicher bist, geh den ersten Steig mit einem Bergführer oder buche einen Kurs. Das ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern die schnellste Art, sicher Routine aufzubauen. Du lernst die Handgriffe, das Tempo und das Gefühl für ausgesetztes Gelände in wenigen Stunden, für die du allein eine ganze Saison bräuchtest. Danach gehört dir die Vertikale.
Redaktion IBS Publishing ››
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Bildquelle: Titelbild und Beitragsbilder KI-generiert (Juni 2026), C2PA-Zertifikat im Bild hinterlegt







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