Kitesurfer im Sprung über dem Wasser, Test von Fitness-Trackern

Kitesurf-Tracker-Test: Fitbit Air vs Whoop vs Apple Watch

Elias Kollböck - Redakteur InspiredBySports

AUTOR:

Elias Kollböck

6 Min. Lesezeit

Zwei Wochen lang habe ich drei Fitness-Tracker gleichzeitig getragen: Whoop, den neuen Fitbit Air und meine Apple Watch. Beim Kitesurfen, im Krafttraining, beim Schlafen. Die Frage war simpel: Brauche ich als Kiter wirklich das teure Whoop-Abo, oder reicht der Fitbit Air, der ganz ohne Abo läuft? Die Antwort hat mich selbst überrascht.

Kurzer Sprint

  • Drei Stufen, ein Slider: Apple Watch ist der Einstieg, der Fitbit Air die solide Mitte, der Whoop die Maximierer-Version für Leute, die jede Kennzahl auswerten.
  • Der Preis entscheidet: Der Fitbit kostet einmalig 99 Euro und funktioniert ohne Abo. Der Whoop wird ohne laufende Mitgliedschaft ab rund 190 Euro im Jahr zum nutzlosen Briefbeschwerer.
  • Salzwasser ist der ehrliche Prüfer: Am Spot zählen Bandkomfort, Wasserfestigkeit und Akku mehr als jede App. Der Fitbit liegt schmaler und diskreter, der Whoop hat das größere Zubehör-Ökosystem.
  • Die Daten liegen näher beieinander als gedacht: Bei der Herzfrequenz nehmen sich Fitbit und Whoop kaum etwas. Die Apple Watch zählt die Kalorien konstant zu hoch.
  • Mein Fazit als Kiter: Für meinen unregelmäßigen Rhythmus ist der Fitbit Air der Sweet Spot. Genug Daten, kein Abo-Druck, kein schlechtes Gewissen, wenn ich mal eine Woche nicht draufschaue.

 

Drei Geräte, ein Handgelenk, eine ehrliche Frage

Der Whoop ist in der Ausdauer- und Funsport-Szene zum Statussymbol geworden. Ein schmaler, bildschirmloser Puck im dünnen Band, den man rund um die Uhr trägt. An meinem Spot tragen ihn die halbe Crew und ein paar von ihnen fragten mich, als der Fitbit Air auftauchte: Ist das Ding genauso gut, nur billiger? Genau das wollte ich wissen, also habe ich alle drei parallel angelegt und durch meinen ganz normalen Alltag geschickt.

Was ist der Fitbit Air? Der Fitbit Air ist ein bildschirmloser Fitness-Tracker von Google, der laut Hersteller dieselben Kerndaten wie ein Whoop erfassen soll, also Herzfrequenz, Schlaf, Schritte und Kalorien, aber ohne Pflicht-Abo auskommt. Genau dieser Pflicht-Abo-Unterschied ist der Grund, warum das Gerät als Whoop-Killer gehandelt wird. Den nüchternen Marktstart für 99 Euro haben wir hier zum Launch eingeordnet. Mich interessiert in diesem Text die andere Hälfte: Wie schlägt sich das Ding im echten Leben eines Kiters, gegen die etablierte Konkurrenz?

99 €
Fitbit Air, einmalig, läuft ohne Abo
ab 190 €
Whoop-Abo pro Jahr, sonst wird er zum Briefbeschwerer
5 bis 6
Tage Akku, die mir der Fitbit im Salzwasser-Alltag gab

 

Das Abo ist der wunde Punkt beim Whoop

Der größte Unterschied steckt nicht in der Hardware, sondern im Geschäftsmodell. Beim Whoop bekommst du den Tracker quasi geschenkt, aber ohne laufende Mitgliedschaft macht er gar nichts mehr. Stoppst du das Abo, wird das Gerät zum Briefbeschwerer. Die Mitgliedschaft startet bei ungefähr 190 Euro im Jahr und reicht je nach Stufe deutlich höher, und zwar dauerhaft.

Der Fitbit Air dreht das um. Du kaufst ihn einmal für 99 Euro und die Basis läuft sofort: Herzfrequenz, Schritte, Kalorien und Schlaf. Wer den vollen Funktionsumfang mit KI-Coach und großer Übungsbibliothek will, zahlt ein optionales Abo von rund 99 Euro im Jahr. Optional ist hier das Schlüsselwort. Für mich als jemand, der mal drei Wochen am Stück am Wasser hängt und dann eine Weile gar nicht aufs Training schaut, ist dieser Unterschied riesig.

Ein ehrlicher Vorbehalt gehört dazu: Hinter dem Fitbit steht Google, und Google verdient sein Geld mit Daten und Werbung. Ein subventionierter Tracker für 99 Euro bringt eben sehr viele Handgelenke und damit sehr viele Datenpunkte ins System. Das macht das Gerät nicht schlecht, man sollte es nur wissen. Wer Wearables grundsätzlich nutzt, gibt ohnehin viel preis, das war schon im Blick auf Schlaf und Recovery das Thema.

Die drei Tracker im direkten Vergleich

Kriterium Fitbit Air Whoop Apple Watch
Preis 99 Euro einmalig Gerät gratis, Abo ab rund 190 Euro pro Jahr je nach Modell, kein Abo nötig
Ohne Abo nutzbar ja, volle Basis-Daten nein, wird zum Briefbeschwerer ja
Display und Mitteilungen nein nein ja, plus GPS
Leitkennzahl Cardio Load Strain von 0 bis 21 und Recovery Aktivitätsringe
Akku im Test 5 bis 6 Tage 7 bis 8 Tage rund ein Tag

 

Am Spot zählt das Band, nicht die App

Kitesurfen ist ein gnadenloser Härtetest für so ein Gerät. Stundenlang am und im Wasser, Salz überall, kurze explosive Belastung beim Springen, dann wieder Pausen, wenn der Wind einschläft. Genau hier trennt sich, was im Werbespot gut klingt, von dem, was am Strand wirklich hält.

Der Fitbit liegt schmaler und leichter am Handgelenk als der Whoop, die ovale Form trägt weniger auf und das Klettband lässt sich blitzschnell enger ziehen, bevor ich ins Trapez steige. Der Tracker lässt sich aus dem Band drücken, Bandwechsel ist damit eine Sache von Sekunden. Der Whoop sitzt mit seinem Clip einen Tick sicherer, ist dafür fummeliger. Ein Detail, das mich nervte: In mein Stoffband hat sich nach ein paar Sessions ein Salzfleck gesetzt, den ich nicht mehr rausbekam. Für den Dauereinsatz am Wasser ist das robustere Gummiband die klügere Wahl.

Der Whoop kontert mit seinem Ökosystem. Es gibt Bizeps- und Brustgurte und sogar Kleidung mit Sensorfach, in der das Gerät weiter misst. Für mich am Spot ist das Overkill, aber wer den Tracker beim Kiten lieber am Oberarm unter dem Neopren trägt als am Handgelenk, hat beim Whoop schlicht mehr Optionen.

 

Wie nah liegen die Zahlen wirklich beieinander

Keiner dieser Tracker ist labor-genau, das muss man vorab akzeptieren. Entscheidend ist nicht der absolute Wert, sondern die Konstanz: Liegt ein Gerät immer ein bisschen zu hoch, kann ich mich darauf einstellen. Springt es mal hoch, mal tief, ist die Zahl wertlos.

Nach zwei Wochen war mein Befund klar. Bei der Herzfrequenz nahmen sich Fitbit und Whoop über die Sessions hinweg kaum etwas, der Fitbit lag bei den Kalorien meist nur einen Hauch höher. Die Apple Watch dagegen zählte die Kalorien durchgängig zu großzügig. Bei einer harten Intervall-Einheit lagen Whoop und die beiden anderen bei den Kalorien sogar fast die Hälfte auseinander, was zeigt, wie vorsichtig man solche Werte lesen sollte.

Spannend wird es bei der Art, wie die Geräte ihre Daten verpacken. Whoop-Nutzer kennen den Strain-Wert auf einer Skala von 0 bis 21 und den Recovery-Score. Der Fitbit ersetzt das durch eine Kennzahl namens Cardio Load, die misst, wie stark und wie lange deine Herzfrequenz über dem Normalwert lag. In der ersten Woche kannte mich der Fitbit noch nicht und stufte eine lange Kite-Session als absurd hohe Belastung ein. Sobald der Coach mich kalibriert hatte, passte der Wert. Genau hier liegt auch ein Unterschied in der Geduld: Die Apple Watch braucht keine Eingewöhnung, der Fitbit rund eine Woche, der Whoop staffelt seine Kalibrierung über bis zu 30 Tage, bis wirklich alles auf dich eingestellt ist.

Tipp: Wenn du am Wasser auf die automatische Trainingserkennung setzt, prüfe danach die Session in der App. Sinkt die Herzfrequenz in einer langen Windpause zu stark, splitten die Tracker eine durchgehende Session gern in zwei Workouts. Das verfälscht deine Wochenbilanz. Lieber einmal kurz manuell zusammenführen, dann stimmt die Statistik wieder.

 

Warum der Fitbit für mich gewonnen hat

Am Ende der zwei Wochen war meine Entscheidung klarer, als ich dachte. Wer den Whoop voll ausreizt, jede Recovery-Kurve studiert und auf ein konkretes Ziel hin optimiert, bleibt zu Recht beim Whoop. Wer gerade erst anfängt, ist mit der Smartwatch am Handgelenk gut bedient, die er sowieso schon hat. Und für alle dazwischen gibt es jetzt den Fitbit.

Genau in dieses Dazwischen falle ich. Ich kite, wenn der Wind passt, ich gehe ins Studio, wenn der Kopf mitmacht, und ich will Daten sehen, ohne mich von einem laufenden Abo unter Druck setzen zu lassen. Der Fitbit Air gibt mir genau das. Er ist kein Whoop-Killer im Sinne von besser in allem, aber er ist der ehrlichere Deal für meinen Sport-Alltag. Und das Beste daran: Wenn ich drei Wochen lang nur am Wasser bin und die App keines Blickes würdige, kostet mich das nichts außer ein bisschen Akku.

Cool-down

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Hält der Fitbit Air das Kitesurfen im Salzwasser überhaupt aus?
In meinem Test ja. Wasserfest ist er, das Tracking lief am und im Wasser sauber durch. Der schwache Punkt ist nicht die Elektronik, sondern das Band: Stoffbänder saugen sich voll und können Salzflecken behalten. Wer viel am Wasser ist, nimmt das Gummiband und spült Tracker und Band nach der Session kurz mit Süßwasser ab.
Brauche ich beim Fitbit zwingend das Abo?
Nein. Die Basis aus Herzfrequenz, Schritten, Kalorien und Schlaf läuft ohne Abo. Das optionale Abo für rund 99 Euro im Jahr schaltet den KI-Coach und die große Übungsbibliothek frei. Für Gelegenheits-Tracking reicht die kostenlose Variante. Genau das ist der Vorteil gegenüber dem Whoop, der ohne Abo komplett stehenbleibt.
Sind die Messwerte genau genug zum Trainieren?
Genau genug für Steuerung, nicht für die Wissenschaft. Bei der Herzfrequenz liegen Fitbit und Whoop nah beieinander, Kalorienwerte streuen bei allen Trackern stark. Nutze die Zahlen als Trend über Wochen, nicht als absolute Wahrheit pro Einheit. So lange ein Gerät konstant misst, kannst du dein Training sinnvoll danach ausrichten.
Für wen lohnt sich trotzdem der Whoop?
Für Athleten, die wirklich auf ein Ziel hin optimieren und jede Kennzahl auswerten. Strain, Recovery, Stress-Monitor und sogar das Hochladen von Blutwerten: Der Whoop bietet die tiefste Datenwelt der drei. Wer das nutzt und das Abo eh zahlt, bekommt das ausgereifteste Werkzeug. Wer es nicht nutzt, zahlt für Tiefe, die er nie anfasst.
Und wenn ich schon eine Smartwatch trage?
Dann bist du für den Einstieg bestens versorgt. Die Apple Watch deckt Herzfrequenz, Workouts und Schlaf ab, hat dazu Display, Mitteilungen und GPS. Nur bei den Kalorien misst sie großzügig. Ein zusätzlicher Tracker lohnt erst, wenn du tiefer in Belastung und Erholung einsteigen willst, ohne ständig auf ein Display zu schauen.


Quelle Titelbild: Pexels / Sergio Hurtado (px:15875268)

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