12,34 Sekunden: So trainiert Deutschlands Sprinttalent

Sonja Höslmeier, Redakteurin bei InspiredBySports

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Sonja Höslmeier

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6 Min. Lesezeit

12,34 Sekunden auf 100 Meter. Mit 14 Jahren. Emilia ist Deutschlands schnellste Sprinterin ihrer Altersklasse – Bayerische Meisterin, Eliteschülerin des Sports, und jeden Morgen um 6:30 auf den Beinen. Wir haben sie nach den Bayerischen Meisterschaften 2022 zum exklusiven Interview getroffen.

Kurzer Sprint

  • Emilia lief 12,34 Sekunden auf 100m bei den Bayerischen Meisterschaften 2022 – schnellste 14-Jährige Deutschlands
  • 7 Zehntel Verbesserung auf 100m in nur 11 Monaten – trotz Knochenhaut- und Fußverletzung
  • Trainiert 5-6 Mal pro Woche: morgens vor der Schule am Olympiagelände, abends nochmal
  • Eliteschule des Sports ermöglicht flexiblen Stundenplan für Wettkämpfe und Trainingslager
  • Großes Ziel: Deutscher A-Kader und Olympische Spiele

 

Das Interview: Schule, Training und der Traum von Olympia

 

IBS: Hallo Emilia, herzlichen Glückwunsch zu deinem Erfolg bei den Bayerischen Meisterschaften. Du bist mit 12,34 Sekunden über 100m die schnellste 14-Jährige Deutschlands. Wie fühlt sich das an?

Emilia: Es fühlt sich nicht real an. Das war für diese Saison zwar mein Wunsch, ich wusste aber nicht, ob er in Erfüllung gehen würde, da ich sehr lange intensive Probleme mit meiner Knochenhaut hatte und dann eine Entzündung in der Fußsohle. Dieses Ziel am Ende doch noch erreicht zu haben – im letzten Wettkampf darüber bin ich super glücklich und natürlich sehr zufrieden.

IBS: Können wir annehmen, dass das dein Lieblingswettkampf in diesem Jahr war?

Emilia: Auf jeden Fall. Ich habe eine enorme Entwicklung gesehen, die ich gemeinsam mit meinen Trainern erarbeitet habe – 7 Zehntel auf 100m verbessert in 11 Monaten.

IBS: Fokussierst du dich im Training eher auf langfristige Ziele oder auf die bevorstehenden Wettkämpfe?

Emilia: Im Moment sicherlich mehr kurzfristig. Man plant zwar im Großen über mehrere Monate, wie beispielsweise Muskelaufbau, Ausdauer und so weiter – aber konkrete Trainingseinheiten fokussieren sich dann immer auf den nächsten Wettkampf. Wie das in Zukunft aussieht, weiß nur meine Trainerin. Bis jetzt plant sie alles für mich und informiert mich wöchentlich über meine Trainingseinheiten.

 

6:30 Uhr aufstehen, Olympiagelände, Schule, nochmal Training

 

IBS: Wie oft trainierst du die Woche?

Emilia: 3 Mal die Woche morgens vor der Schule und 2-3 Mal die Woche abends nach der Schule.

IBS: Wie schaffst du es, Schule und Training unter einen Hut zu bringen?

Emilia: Ich bin auf einer Eliteschule des Sports, was mir vieles erleichtert. Allein die Schulzeiten sind auf uns Sportler abgestimmt, was bereits eine Menge ausmacht und es uns ermöglicht, die Trainingseinheiten vor und nach der Schule wahrzunehmen. Der Stoff bleibt für uns aber derselbe wie für jeden anderen Schüler auch. Wir müssen eben zuschauen, wie wir das Lernen in unseren Tagesablauf integrieren.

Wer so hart trainiert wie Emilia, braucht die richtige Zone-2-Basis für langfristige Leistung. Doch ihr Tagesablauf zeigt, dass Disziplin allein nicht reicht – es braucht auch ein System.

IBS: Wie sieht ein normaler Tagesablauf inklusive Training bei dir aus?

Emilia: 6:30 Uhr aufstehen, frühstücken, fertigmachen. 7:00 Uhr Abfahrt zum Training. 7:45 bis 9:30 Uhr Training am Olympiagelände in der Werner-von-Linde-Halle. Danach mit dem Shuttlebus zur Schule. 10:00 Uhr Schulbeginn. 16:30 Uhr Ende des Schultages und wieder zurück zum Olympiagelände. 17:00 / 17:30 Uhr Beginn Abendtraining. 19:30 Uhr Heimfahrt nach Dachau. 20:00 Uhr Abendessen, duschen, lernen. 22:00 Uhr schlafen gehen.

 

Vom Turnen zum Sprint

 

IBS: Bleibt dir bei dem Pensum auch Zeit für andere Freizeitaktivitäten?

Emilia: Das auf jeden Fall. Wenn ich am Wochenende keine Wettkämpfe habe, treffe ich mich gerne mit Freunden oder verbringe Zeit auf der Pferderanch meiner Cousine. Ich reite sehr gerne.

IBS: Wie bist du eigentlich zum Sport gekommen?

Emilia: Ich habe ein paar Jahre in Dachau geturnt. Dort gab es bei manchen Wettkämpfen Laufen, Werfen und Weitsprung als Zusatzdisziplinen. Es war deutlich zu erkennen, dass das Laufen und Springen eher meine Stärken sind als das klassische Turnen. Deshalb bin ich 2018 schließlich zur Leichtathletik gewechselt. Meine Großmutter war mehrfache Tiroler Meisterin und Bronze-Medaillengewinnerin über die 80m Hürden bei den Österreichischen Meisterschaften.

 

Der Traum: Olympia mit dem A-Kader

 

IBS: Was sind deine sportlichen Ziele?

Emilia: Mein großes Ziel sind die Olympischen Spiele. Mit dem deutschen A-Kader. Ich weiß, dass das noch ein weiter Weg ist und dass sehr viel Arbeit dazugehört. Aber ich bin bereit, diese Arbeit zu investieren. Schritt für Schritt.

IBS: Was würdest du anderen jungen Sportlerinnen und Sportlern raten?

Emilia: Dass beides geht. Man muss diszipliniert sein, ja. Aber man muss nicht auf alles verzichten. Der Schlüssel ist ein Umfeld, das mitzieht – Trainerin, Eltern, Schule. Allein schafft das niemand.

Ein Pensum wie Emilias erfordert neben körperlicher Fitness auch mentale Stärke. Techniken wie Breathwork-Methoden von Spitzensportlern können dabei helfen. Und die richtige Schlaf-Routine als Recovery-Tool ist für Nachwuchsathleten mindestens so wichtig wie das Training selbst.

 

Cool-down

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Was ist eine Eliteschule des Sports?
Eliteschulen des Sports sind vom DOSB zertifizierte Schulen, die Leistungssport und schulische Ausbildung verbinden. Die Stundenpläne sind auf Trainingszeiten abgestimmt.
Wie schnell ist 12,34 Sekunden auf 100m für eine 14-Jährige?
Das ist Spitzenniveau in der Altersklasse U16. Die Norm für Deutsche Jugendmeisterschaften liegt bei etwa 12,50 Sekunden.
Wie oft trainieren Nachwuchssprinter?
Im Leistungsbereich U16 bis U18 sind 5-6 Einheiten pro Woche üblich. Schnelligkeitstraining, Sprungkraft, Technik und zunehmend Krafttraining.
Was ist die Werner-von-Linde-Halle?
Die Werner-von-Linde-Halle liegt auf dem Olympiagelände in München und ist eine der wichtigsten Leichtathletik-Trainingsstätten Bayerns mit einer 200m-Rundbahn.
Kann man Leichtathletik und Schule wirklich vereinen?
Ja, mit der richtigen Struktur. Eliteschulen des Sports, Online-Lernangebote und flexible Lehrer machen es möglich. Der Schlüssel ist laut Emilia das Umfeld.

 

Quelle Titelbild: InspiredBySports / Archiv

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