Cocodona-Splits: Pacing-Lehren aus dem Damen-Rekord

Rachel Entrekin lief das Cocodona 250 in 56:09:48 – als erste Frau outright und mit Course Record. Kilian Korth holte den Männer-CR in 57:28:36. Was hängen bleibt, sind nicht die Headlines. Sondern die Splits zwischen Mile 76 und 107.
Ich habe den Cocodona-Tracker zwei Tage offen gelassen, dann zugemacht und die Splits-Tabelle nochmal gezogen. Der Sieg ist eine Geschichte, das Pacing eine Lehre. Wenn du im Sommer Lavaredo, UTMB-CCC oder die ersten 100K planst, ist das Race vom 4. bis 6. Mai relevanter als der nächste Trainingsplan.
Was war: 253 Meilen, 56 Stunden, ein Tempo das nicht passt
Was ist das Cocodona 250? Das Cocodona 250 ist ein Point-to-Point-Ultramarathon im US-Bundesstaat Arizona, der jährlich Anfang Mai stattfindet. Die 253 Meilen lange Strecke führt von Black Canyon City quer durch die Wüste und über das Coconino-Plateau bis nach Flagstaff. Cocodona ist eines der härtesten 200+-Mile-Races weltweit und gilt seit seiner Premiere 2021 als Maßstab für Multi-Day-Ultras in den USA.
Cocodona startet seit fünf Jahren um 5 Uhr morgens in Black Canyon City, Arizona, und endet 253 Meilen später am Fort Tuthill bei Flagstaff. Knapp 400 Läufer waren am Start. Entrekin nahm um Mile 50 die Gesamtführung und gab sie nicht mehr ab. Sie holte den Outright-Sieg, ihren dritten in Serie, und zerschmetterte den Course Record.
Korth lag im Männerfeld lange im Doppelpack mit McConaughy. Bei Whiskey Row, Mile 76, kamen beide innerhalb von drei Minuten rein. Bis Mingus Mountain, Mile 107, hat Korth den Stecker gezogen. Nach dem Abstieg in Jerome bei Mile 125 lag er fast zwei Stunden vorne. Bis Fort Tuthill bei Mile 212 hat er den Vorsprung gehalten.
Übersetzt: Entrekin lief 56:09:48 für 253 Meilen. Das sind 13:19 min pro Meile, 8:17 min pro Kilometer, über zwei Tage und acht Stunden ohne nennenswerten Schlaf. Korth lief 8:28 min pro Kilometer.
Die Splits in einer Tabelle
Race-Anker 2026
| Strecke | Black Canyon City » Flagstaff, AZ |
| Distanz | 253 Meilen / ~407 km |
| Course Record Damen / Outright | Rachel Entrekin, 56:09:48 |
| Course Record Herren | Kilian Korth, 57:28:36 (2. schnellste Zeit überhaupt) |
| Field | ~400 Starter, Mo 4. Mai, 5 Uhr Local |
Quellen: iRunFar, RUN247, GearJunkie
Die drei Pacing-Lehren die DACH-Hobbyathleten mitnehmen
Lehre 1: Wetter ist eine Variable, die du nicht zurückbekommst
Entrekin nutzte am Morgen kühle, bedeckte Bedingungen für ein aggressives Anfangstempo. Bis Mile 50 hatte sie das Feld komplett im Rücken. Wer in den ersten Stunden konservativ läuft, weil das so im Buch steht, verschenkt Sekunden die später nicht mehr zurückkommen.
Im DACH-Sommer ist das umgekehrt. Bei Lavaredo oder Eiger Ultra Trail liegt der heißeste Abschnitt oft mittags zwischen Mile 30 und 60. Wer dort früher dran ist, läuft in der kühlen Phase. Pacing folgt dem Thermometer, nicht dem Lehrbuch.
Lehre 2: Der Rennanfang ist im Mittelteil entschieden
Whiskey Row bei Mile 76 war der Punkt, an dem das Männerfeld noch zusammen war. Bei Mile 107, Mingus Mountain, war es entschieden. Über 31 Meilen, also einen Marathon, hat sich entschieden wer das Race gewinnt.
Übersetzt für deine 100K: Mile 35 bis 50 ist die Phase in der du dich entscheidest. Dort halten manche das Tempo, andere brechen ein. Wenn du dort weiter pushst, ohne über die Schmerzgrenze zu gehen, baust du den Vorsprung den du auf den letzten 30 Kilometern nicht mehr aufbauen kannst.
Lehre 3: Lead halten kostet weniger als Lead zurückholen
Korth führte ab Mile 107 bis zum Ziel. Sein Vorsprung wuchs gleichmäßig. Wer einmal Vorsprung hat, läuft ruhiger, isst besser, schläft kürzer. Wer einbricht und aufholen will, braucht doppelte Energie.
Das gilt auch für 50-Meilen-Ultras. Wenn du bei Mile 25 leicht vor Plan liegst, halte das Tempo. Nicht beschleunigen, nicht abreissen lassen. Dranbleiben kostet weniger als Comeback.
Was Cocodona dir nicht beibringt
Cocodona ist ein Wüsten-Ultra. Hitze, Höhe, Felsen, kaum Verpflegung zwischen den Aid Stations. DACH-Trails sind anders. Die Höhenmeter pro Kilometer sind in den Alpen oft brutaler, dafür sind die Aid-Distanzen kürzer und das Wetter weniger gleich. Wer die Cocodona-Logik 1:1 auf einen Berner Oberland 100K legt, läuft in eine Falle.
Was übertragbar ist: die Vorbereitung auf lange Wachzeiten, die Pacing-Disziplin im Mittelteil, die Akzeptanz dass Schmerz zur Strategie gehört. Korth lief laut iRunFar mit konstanten Muskelschmerzen durch und hat trotzdem nicht eingebrochen. Das ist mental, nicht physisch.
Wenn du jetzt trainierst
Such dir die nächste Trainingseinheit aus, die länger als drei Stunden ist. Lauf die ersten 60 Minuten konservativ, die nächsten 90 Minuten im Plantempo, den Rest etwas drüber. Das ist das Cocodona-Pattern in klein. Wenn du es zwei Mal pro Monat machst, hast du im Renntag mehr Reserven als jeder konstante Lauf dir gibt.
Und das Cocodona-Tracking-Archiv lassen wir offen. Bei der nächsten Saison läuft jemand anders vorne. Die Splits werden ähnlich aussehen.
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